Für TKMS spitzt sich das Rennen um den milliardenschweren Fregatten-Auftrag der Bundeswehr zu. Am Donnerstag wurde bekannt, dass ein vom Kieler Rüstungskonzern geführtes Konsortium im Auswahlverfahren für die neue Luftverteidigungsfregatte F127 als einziger verbliebener Bieter übrig geblieben ist.
Das Verteidigungsministerium hatte zuvor das konkurrierende Projekt F126 offiziell gestoppt, wie Medienberichten zufolge bekannt wurde. Für TKMS bedeutet das eine deutlich verbesserte Ausgangsposition bei einem der größten Marineprogramme Deutschlands.
Die Nachricht reiht sich in eine ganze Serie von Auftragserfolgen ein, die den Konzern in den vergangenen Wochen begleitet haben. Bereits Ende August hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass der Auftragsbestand inklusive eines nach dem Bilanzstichtag zu erfassenden Programms über vier MEKO A-200 DEU-Fregatten im Wert von 6,3 Mrd. Euro ein Rekordvolumen von über 25 Mrd. Euro erreicht hat. Die F127-Entscheidung würde diesen Bestand nochmals substanziell erweitern, sollte das Konsortium am Ende tatsächlich den Zuschlag erhalten.
Kapazitätsfrage rückt in den Fokus
Mit der wachsenden Auftragspipeline stellt sich für TKMS zunehmend die Frage der Fertigungskapazitäten. Vorstandschef Oliver Burkhard hatte Mitte August bestätigt, dass eine strategische Kooperation mit der spanischen Werft Navantia geprüft wird, um den hohen Auftragsbestand zeitgerecht abarbeiten zu können.
Sollte der F127-Auftrag hinzukommen, dürfte der Kapazitätsdruck weiter steigen – ein Thema, das Anleger in den kommenden Monaten genau beobachten dürften.
Burkhard hatte im gleichen Zusammenhang die Mittelfristziele bekräftigt: eine bereinigte EBIT-Marge von über 7 % sowie einen kumulierten freien Cashflow von mehr als 400 Mio. Euro bis zum Geschäftsjahr 2027/28. Diese Ziele stehen im Kontext der zuletzt vor rund zwei Wochen vorgelegten Neunmonatszahlen, die einen Umsatzanstieg um 19 % auf 1,89 Mrd. Euro sowie ein um 13 % auf 110 Mio. Euro gewachsenes bereinigtes EBIT zeigten – getrieben vor allem durch die Auslieferung von drei U-Booten. Seit jener Vorlage hat die Aktie um 6,5 % nachgegeben, was zeigt, dass operative Fortschritte allein die Anleger derzeit nicht überzeugen.
Kursbild bleibt angespannt
Am Freitag schloss die TKMS-Aktie bei 90,10 Euro, ein Minus von 1,2 % auf Tagesbasis und von 3,0 % auf Wochensicht. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 13 % zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 36 % verteuert.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 108,80 Euro, erreicht Mitte August, notiert die Aktie derzeit 17 % entfernt – ein Abstand, der die jüngste Konsolidierung nach der starken Rally verdeutlicht. Die Volatilität bleibt mit 49 % auf Jahressicht hoch, was angesichts der Nachrichtendichte rund um Großaufträge und Kapazitätsentscheidungen wenig überrascht.
Die kanadische Regierung hatte TKMS bereits zuvor als bevorzugten Bieter für den Bau von bis zu zwölf U-Booten benannt, was zur Anhebung der Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr auf ein Wachstum von 10 % bis 12 % beigetragen hatte.
Zusammen mit der möglichen F127-Vergabe zeichnet sich damit ein Bild ab, in dem TKMS auf mehreren Kontinenten gleichzeitig um milliardenschwere Marineaufträge konkurriert – mit Kanada, Deutschland und potenziell weiteren Märkten als Wachstumstreibern.
Die endgültige Entscheidung über die F127-Fregatten steht noch aus, ebenso wie die für den 7. Dezember angekündigten Zahlen zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2025/26, die weiteren Aufschluss über die Tragfähigkeit der ambitionierten Mittelfristziele geben dürften.
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