Die TKMS-Aktie befindet sich in einer der stärksten Wochen des Jahres. Am Freitag schloss das Papier bei 83,70 Euro, ein Plus von 4,23 Prozent an nur einem Tag. Binnen sieben Tagen kletterte der Kurs um 13,26 Prozent. Ausgerechnet jetzt bremst der Bundestag ein zentrales Rüstungsprojekt des Unternehmens.
Haushaltsausschuss stoppt Fregatten-Programm
Eigentlich sollte der Haushaltsausschuss am kommenden Mittwoch grünes Licht für das F128-Programm geben. Damit hätte das Vorhaben den letzten parlamentarischen Schritt genommen. Stattdessen strich der Ausschuss das Projekt kurzfristig von der Tagesordnung.
Der Grund: Zweifel an der Eignung der Schiffe für ihre Kernaufgabe. Ein Staatssekretär aus dem Verteidigungsministerium konnte die Koalitionsabgeordneten nicht überzeugen. Konkret ging es um die Fähigkeit zur U-Boot-Jagd.
Hintergrund ist der Abbruch eines anderen Großprojekts. Zwei Wochen nach dem Ende von FCAS strich das Ministerium auch das F126-Programm. Als Ersatz plant es nun bis zu acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU von TKMS.
Der Haushaltsausschuss hatte dafür bereits bis zu 7,8 Milliarden Euro bereitgestellt. Die MEKO-A-200-Schiffe gelten als schneller verfügbar und günstiger als die gescheiterte F126-Klasse.
Die Kosten sind dabei deutlich gestiegen. Insgesamt würde die Beschaffung aller acht Fregatten rund 11,6 Milliarden Euro kosten. Ursprünglich hatte das Ministerium etwa eine Milliarde Euro pro Schiff kalkuliert.
Diese höheren Kosten befeuern die politische Debatte zusätzlich. Für die erste Tranche von vier Fregatten sind 6,3 Milliarden Euro eingeplant, das ergibt einen Stückpreis von rund 1,6 Milliarden Euro. Optional kann das Ministerium bis Jahresende vier weitere Schiffe für 5,3 Milliarden Euro bestellen.
Trotz der politischen Bedenken gibt es auch positive Signale. Der Inspekteur der Marine hat nach eingehender Prüfung bestätigt, dass die MEKO A-200 DEU die Anforderungen zur U-Boot-Jagd erfüllt. Die Schiffe würden demnach auch die NATO-Verpflichtungen erfüllen. Die Kritik richtet sich damit eher gegen die parlamentarische Kommunikation als gegen die Technik selbst.
Kanada-Entscheidung überlagert die Debatte
Während die Fregattenfrage in Berlin für Verunsicherung sorgt, blickt der Markt zugleich nach Nordamerika. TKMS gehört neben dem südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean zu den letzten beiden Kandidaten für Kanadas U-Boot-Programm CPSP. Das Programm umfasst bis zu zwölf U-Boote. Die Entscheidung aus Ottawa steht in den kommenden Tagen an und dürfte den Kurs stärker bewegen als die Debatte um die Fregatten.
Charttechnik bleibt angespannt
Charttechnisch zeigt sich die Aktie trotz aller Unsicherheit robust. Der jüngste Anstieg hievte den Kurs über den 100-Tage-Durchschnitt von 83,48 Euro, der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 78,12 Euro. Der RSI von 58,2 Punkten signalisiert weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage.
Zum 52-Wochen-Hoch von 102,90 Euro aus dem Januar fehlen der Aktie noch 18,66 Prozent. Nach oben ist also noch Luft, nach unten hat sich der Kurs weit vom Jahrestief entfernt. Zum 52-Wochen-Tief von 56,75 Euro beträgt der Abstand mittlerweile 47,49 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 20,87 Prozent zu Buche.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 74,05 Prozent. Das unterstreicht, wie stark der Kurs derzeit auf einzelne politische und geschäftliche Nachrichten reagiert.
Sowohl die Klärung der Eignungsfrage beim F128-Programm als auch die Entscheidung aus Kanada dürften den Kurs in den kommenden Tagen maßgeblich bewegen. Solange der Haushaltsausschuss nicht neu über die Fregatten berät, bleibt die politische Unsicherheit ein Faktor für die Aktie.
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