Die Bundeswehr hat vergangene Woche Verzögerungen bei Rüstungslieferungen gerügt und dabei neben RENK und HENSOLDT auch TKMS in den Fokus der Berichterstattung gerückt. Für Anleger ist das ein neuer Ton in einer Erfolgsgeschichte, die bislang fast ausschließlich aus Rekordmeldungen bestand.
Kritik trifft auf volle Auftragsbücher
Die Rüge aus Berlin fällt in eine Phase, in der TKMS operativ so stark dasteht wie selten zuvor. Der Auftragsbestand erreichte zuletzt einen Rekordwert von 20,1 Milliarden Euro, das Unternehmen hatte seine Umsatzguidance für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 kräftig angehoben.
Genau diese Diskrepanz – volle Bücher bei gleichzeitig kritisierten Lieferverzögerungen – dürfte in den kommenden Wochen zum zentralen Thema für die Aktie werden. Wachstum allein reicht nicht, wenn die Umsetzung ins Stocken gerät.
Am Montag kam ein weiterer Faktor hinzu: Die EU billigte eine milliardenschwere Rüstungshilfe für die Ukraine, wobei TKMS im Sektor-Kontext genannt wurde. Für die europäische Verteidigungsindustrie insgesamt ist das ein positives Signal, auch wenn eine direkte Auftragswirkung für TKMS daraus bislang nicht hervorgeht.
Kurs pendelt unterhalb des Allzeithochs
Die Aktie notiert aktuell bei 92,00 Euro, nach einem Plus von 0,7 Prozent im heutigen Handel gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 91,40 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 1,5 Prozent, während sich das Papier auf Monatssicht um 12 Prozent verteuert hat.
Seit Jahresbeginn liegt der Kursgewinn bei 39 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 108,80 Euro, erreicht am 14. August, ist die Aktie derzeit 15 Prozent entfernt – ein Abstand, der sich seit der Rekordmarke sichtbar vergrößert hat.
Die jüngste Kursschwäche fällt zeitlich mit der aufkommenden Debatte um Lieferverzögerungen zusammen. Ob der Markt die Kritik der Bundeswehr als vorübergehende Reibung im Zuge des starken Wachstums einordnet oder als strukturelles Problem, wird sich an den kommenden Auftragsmeldungen zeigen müssen.
Bewertungssprung bleibt intakt
Trotz der Korrektur vom Hoch bleibt die fundamentale Basis robust. Die 9-Monats-Zahlen zum Stichtag 30. Juni zeigten einen Umsatzanstieg von 19 Prozent auf 1.900 Millionen Euro und ein um 13 Prozent gestiegenes bereinigtes EBIT von 110 Millionen Euro.
Das Management um Vorstandsvorsitzenden Miguel Ángel López Borrego und Finanzvorstand Axel Hamann hatte die Guidance für das Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2025/26 auf 10 bis 12 Prozent angehoben, nachdem zuvor lediglich 1 bis 2 Prozent avisiert waren. Das langfristige Margenziel von über 7 Prozent bereinigter EBIT-Marge wurde bestätigt.
Für Investoren bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite steht ein Unternehmen mit historisch hohem Auftragsbestand und angehobenen Wachstumszielen, befeuert auch durch den Großauftrag Kanadas über bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD im Juli.
Auf der anderen Seite wächst der politische Druck, diese Auftragsflut auch termingerecht abzuarbeiten. Wie das Unternehmen auf die Kritik der Bundeswehr reagiert, dürfte für die weitere Kursentwicklung mindestens so entscheidend sein wie die nächste Zahlenvorlage.
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