Ein Analystenurteil reicht manchmal aus, um eine ohnehin gut gelaunte Aktie noch einmal deutlich anzuschieben. TKMS steigt am Donnerstag zeitweise um fast 12 Prozent und nähert sich damit dem Rekordhoch vom Börsengang im Oktober 2025 bei 107,00 Euro. Bis zu dieser Marke fehlten der Aktie zwischenzeitlich weniger als zwei Euro.
Bernstein hebt Kursziel deutlich an
Auslöser der Rally ist eine Hochstufung durch Bernstein Research. Analyst Adrien Rabier setzte die Einstufung von „Market-Perform“ auf „Outperform“ hoch und hob das Kursziel von 76 auf 125 Euro. MWB Research hatte bereits tags zuvor mit 140 Euro ein noch höheres Ziel ausgerufen. Rabier begründet seinen Schritt mit der Erwartung, dass die Markterwartungen deutlich steigen werden, sobald sich die jüngste Auftragswelle im Analystenkonsens niederschlägt. Für das kommende Quartal rechnet er zudem mit einem Update der TKMS-Mittelfristziele.
Der Marineschiffbau- und U-Boot-Spezialist des thyssenkrupp-Konzerns gilt laut Rabier als Marktführer bei konventionellen U-Booten und mittelgroßen Kriegsschiffen — ein „Sweet Spot“ der Rüstungsbranche, gestützt durch lange Produktzyklen und relative Stabilität in einem veränderten sicherheitspolitischen Umfeld.
Zahlen und Auftragsbuch liefern Rückenwind
Fundamental gestützt wird die Rally durch den Quartalsbericht vom Vortag. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz um 19 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro, das bereinigte Ebit kletterte von 98 auf 110 Millionen Euro. TKMS hob daraufhin die Jahresprognose an: Der Umsatz soll nun um 10 bis 12 Prozent statt zuvor 2 bis 5 Prozent wachsen, die bereinigte Ebit-Marge bis zu 6,5 Prozent statt zuvor über 6 Prozent erreichen.
Der Auftragsbestand lag Ende Juni 2026 bei rund 20 Milliarden Euro. Hinzu kommt der nach Quartalsende unterzeichnete Vertrag über vier plus Option auf vier weitere Fregatten für die Deutsche Marine — der größte Überwasser-Auftrag der Unternehmensgeschichte. Als bevorzugter Bieter für bis zu zwölf U-Boote im kanadischen U-Boot-Programm mit einem Volumen von über 15 Milliarden Euro hofft Konzernchef Burkhardt zudem auf einen finalen Vertragsabschluss bis Jahresende.
Auch andere deutsche Rüstungswerte wie Rheinmetall, Hensoldt und Renk profitierten am Donnerstag von der insgesamt freundlichen Sektorstimmung, wenngleich mit deutlich moderateren Kursgewinnen als TKMS.
Ob sich die Dynamik fortsetzt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie konkret sich das von Rabier erwartete Update der Mittelfristziele im kommenden Quartal ausfällt — und ob der Kanada-Deal tatsächlich bis Jahresende unterschriftsreif wird.
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