Bernstein Research hat am 13. August das Kursziel für TKMS von 76 auf 125 Euro angehoben und die Einstufung von „Market-Perform“ auf „Outperform“ hochgestuft. Damit reagierten die Analysten auf eine Serie von Nachrichten, die den Auftragsbestand des Marineschiffbauers binnen weniger Wochen kräftig anwachsen ließen.
Zahlen und Prognose sprechen für sich
Am 12. August legte TKMS Quartalszahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 vor. Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 1.890 Millionen Euro, das bereinigte EBIT verbesserte sich um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro.
Das Unternehmen hob seine Jahresprognose zum zweiten Mal an: Statt eines Umsatzwachstums von 2 bis 5 Prozent erwartet TKMS nun 10 bis 12 Prozent, die bereinigte EBIT-Marge soll bis zu 6,5 Prozent erreichen statt zuvor über 6 Prozent.
Noch am selben Tag vermeldete das Unternehmen einen Vertrag mit der Deutschen Marine über vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU mit Option auf vier weitere Schiffe – der größte Überwasser-Auftrag der Firmengeschichte.
Mit dem daraus resultierenden Volumen von 6,3 Milliarden Euro kletterte der Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro auf über 25 Milliarden Euro. Das entspricht nach Berechnungen von mwb research rund acht Jahresumsätzen. Das Analysehaus erhöhte sein Kursziel am 12. August von 135 auf 140 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung.
Kanada als nächster Wachstumstreiber
Parallel zum deutschen Auftrag rückt das kanadische U-Boot-Programm näher. Premierminister Mark Carney hatte TKMS bereits am 6. Juli als bevorzugten Anbieter für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD benannt und damit den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean ausgestochen. Ende August bestätigte Carney erneut, dass TKMS einer von zwei Finalisten sei.
Das Volumen könnte laut Medienberichten 15 Milliarden Euro übersteigen, inklusive vierzig Jahren Service und dem Aufbau von Hafeninfrastruktur. Die Vertragsunterzeichnung wird zum Jahresende erwartet. Sollte das Kanada-Geschäft hinzukommen, könnte der Auftragsbestand laut Einschätzung von mwb research auf über 40 Milliarden Euro steigen.
Zusätzlich baut TKMS seine europäischen Partnerschaften aus: Mit dem spanischen Werftkonzern Navantia wurde im Juli eine zweite Absichtserklärung unterzeichnet, die bis Jahresende einen gemeinsamen Rahmen für Produktion und Vermarktung ausgewählter U-Boot-Projekte schaffen soll – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.
Kursreaktion bleibt verhalten
Trotz der positiven Nachrichtenlage zeigt sich die Aktie zuletzt schwächer: Der Kurs notiert bei 87,30 Euro und liegt damit rund 20 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, das am 14. August erreicht wurde – just an dem Tag, als Bernstein sein Kursziel anhob.
Die jüngste Kursschwäche dürfte weniger an der operativen Entwicklung liegen als an einer allgemeinen Konsolidierung nach dem starken Jahresverlauf, denn seit Jahresbeginn steht für TKMS weiterhin ein Plus von 32 Prozent zu Buche.
Ein Schatten fiel im Sommer zudem auf die IT-Sicherheit: Ende Juni listete die Ransomware-Gruppe TheGentlemen die TKMS GmbH und ihre Tochter Atlas Elektronik als Opfer auf einem Dark-Web-Portal. Konkrete Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb wurden bislang nicht bekannt.
Für Anleger bleibt der Auftragsbestand der zentrale Maßstab: Mit Deutschland, Kanada und potenziell Spanien als Wachstumssäulen hat TKMS mehrere parallele Hebel, die die von Bernstein und mwb research angehobenen Kursziele stützen könnten.
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