Der Kieler Marineschiffbauer TKMS hat sein unverbindliches Angebot für die German Naval Yards Kiel zurückgezogen. Damit verbleibt nach aktuellem Stand nur noch Rheinmetall als Interessent für die traditionsreiche Werft im Bieterrennen. TKMS-Chef Oliver Burkhard begründete den Schritt am 21. Juli mit einer fehlenden Einigung über die wirtschaftlichen Konditionen des Deals.
Burkhard ordnete den Rückzug gegenüber dem Handelsblatt ein: „Der Erwerb der German Naval Yards Kiel wäre eine schöne Option gewesen, aber kein Muss.“ Für TKMS war die Werft demnach ein mögliches Zusatzgeschäft, keine strategische Notwendigkeit. Für Rheinmetall verändert sich die Lage dagegen deutlich: Der Wettbewerber wird nach dem Ausstieg von TKMS zum zentralen verbliebenen Käufer für German Naval Yards Kiel.
Rheinmetall drängt ins Marinegeschäft
Der Vorgang fällt in eine Phase, in der sich beide Rüstungskonzerne im Marinegeschäft zunehmend ins Gehege kommen. Rheinmetall hat mit der Fregatte GMF 140 jüngst ein neues Modell für Überwasserschiffe vorgestellt und tritt damit direkt gegen TKMS an. Zugleich hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages Anfang Juli den Fregattenkauf von TKMS im Rahmen des MEKO-A-200-Programms gebilligt – als Alternative zum gestoppten Rheinmetall-Programm F126. Der Rückzug aus dem Bieterrennen um die Kieler Werft lässt sich vor diesem Hintergrund auch als Fokussierung von TKMS auf das eigene Kerngeschäft aus U-Booten und Fregatten lesen, während Rheinmetall über German Naval Yards Kiel zusätzliche Fertigungskapazität im Überwasserschiffbau sichern könnte.
Kurs erholt sich vor den Quartalszahlen
An der Börse hat die Nachricht die TKMS-Aktie nicht belastet. Das Papier schloss gestern bei 88,20 Euro und büßte auf Tagessicht 2,11 Prozent ein, liegt aber auf Wochensicht mit 7,96 Prozent klar im Plus. Die jüngste Erholung fällt in eine Phase, in der Anleger zunehmend auf die anstehende Quartalsbilanz blicken. TKMS hatte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 einen Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro sowie einen Umsatz von 1.168 Millionen Euro ausgewiesen, ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die bereinigte Ebit-Marge verbesserte sich auf 5,1 Prozent, und das Unternehmen bestätigte seine Jahresprognose von über 6 Prozent bereinigter Ebit-Marge sowie mittelfristig über 7 Prozent.
Bernstein Research bekräftigte am 22. Juli die Einstufung „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 76 Euro, hält das offizielle Umsatzziel für 2026 angesichts der Entwicklung im ersten Halbjahr aber für übermäßig konservativ und rechnet eher mit einer Ebit-Marge von 7 Prozent. Die Deutsche Bank bekräftigte tags darauf ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 110 Euro. Die Bandbreite der Einschätzungen am Markt bleibt damit weit gefasst.
Nächste Termine im Blick
Den nächsten konkreten Prüfstein liefert der Quartalsbericht zum dritten Geschäftsquartal 2025/26, den TKMS für den 12. August angekündigt hat. Im Anschluss folgt ein dichter Terminkalender mit Investorenkontakten: Am 19. August steht eine Roadshow in London an, am 27. August die Hamburger Investorentage und am 1. September die CoBa & Oddo Corporate Conference in Frankfurt. Für Anleger dürften diese Termine zeigen, ob sich das im Auftragsbuch angelegte Wachstumstempo auch operativ in den kommenden Quartalen niederschlägt – losgelöst vom Ausgang des Bieterrennens um die Kieler Werft, das TKMS nun Rheinmetall überlässt.
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