TKMS meldet zwei historische Großaufträge im Volumen von über 26 Milliarden Euro. Die Aktie fällt trotzdem. Bei dem Marineschiffbauer klaffen Erfolgsmeldung und Börsenreaktion deutlich auseinander.
Am Freitag schloss die Aktie mit einem Minus von 4,22 Prozent bei 81,70 Euro. Das kommt überraschend, denn die Nachrichtenlage der Woche war eigentlich vielversprechend. Anleger reagierten stattdessen mit Skepsis auf steigende Kosten und lange Finanzierungszeiträume.
Zwei Rekordaufträge in einer Woche
Zunächst kürte Kanada TKMS zum bevorzugten Bieter für das maritime Großprojekt CPSP. Bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD sollen geliefert werden. Das Volumen liegt bei rund 20 Milliarden Euro – der größte Exportauftrag in der Firmengeschichte.
Kurz darauf gab der Haushaltsausschuss des Bundestages grünes Licht für vier neue Fregatten. Der Typ heißt MEKO A-200 DEU, das Volumen beträgt rund 6,3 Milliarden Euro. Zusätzlich besteht eine Option auf vier weitere Schiffe für 5,3 Milliarden Euro.
70 Prozent teurer als geplant
Der Grund für die Kursreaktion liegt im Detail der Bundestagsfreigabe. Der Preis pro Fregatte stieg um rund 70 Prozent auf etwa 1,57 Milliarden Euro. Diese Teuerung hat Folgen: Der Haushaltsausschuss knüpfte seine Zustimmung an strikte Berichtspflichten.
Das Verteidigungsministerium muss das Parlament künftig vierteljährlich informieren. Marktbeobachter werten das als Signal für höheres Risiko bei der Umsetzung. Hinzu kommt die lange Projektdauer, die stark auf der Bewertung lastet.
Die ersten Fregatten sollen ab 2029 ausgeliefert werden. Der erste U-Boot-Zulauf für Kanada folgt erst 2034. Für TKMS bedeutet das eine industrielle Kraftanstrengung über mehr als ein Jahrzehnt, verbunden mit hohen Vorfinanzierungslasten.
Marktführer mit stabilem Aufwärtstrend
Trotz des Kursrückgangs festigt TKMS seine Position als globaler Marktführer für konventionelle U-Boote. Durch die kanadische Entscheidung entsteht ein gemeinsamer Standard zwischen Deutschland, Norwegen und Kanada. Das könnte langfristig die Margen im Wartungsgeschäft stabilisieren.
Analysten erwarten, dass der Auftragsbestand durch die jüngsten Erfolge auf rund 38 Milliarden Euro wächst. Das verschafft dem Unternehmen seltene Planungssicherheit. Parallel dazu erfordert das massive Investitionen in die Standorte Kiel und Wismar. Schätzungen zufolge entstehen dort bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze.
Nach dem Rücksetzer notiert die Aktie weiterhin 3,81 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 78,70 Euro. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 17,98 Prozent zu Buche. Der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt trotz der Gewinnmitnahmen intakt.
Zum 52-Wochen-Hoch von 102,90 Euro fehlen der Aktie noch gut 20 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen liegt das Papier dennoch deutlich im Plus.
Kanada muss die Bieter-Zusage nun in einen rechtlich bindenden Vertrag umwandeln. Laut Branchenkreisen dauern solche Verhandlungen bis zu 18 Monate. Erste Hinweise zur Kostenentwicklung dürften die kommenden Quartalszahlen liefern.
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