TKMS hat mit der Übergabe der INS Drakon an die israelische Marine ein mehrjähriges Kapitel abgeschlossen. Das U-Boot verließ die Werft in Kiel als drittes und letztes Schiff des Dolphin-II-Programms – damit endet ein langjähriges Rüstungsprojekt für Israel, und TKMS kann seine Fertigungskapazitäten auf andere Aufträge konzentrieren.
Der Abschluss fällt in eine Phase, in der der Rüstungskonzern operativ deutlich zulegt. Nach neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 stand ein Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro in den Büchern, hinzu kommen nach Bilanzstichtag weitere 6,3 Milliarden Euro aus einem Auftrag über vier MEKO A-200 DEU-Fregatten.
Der Umsatz der ersten neun Monate erreichte 1,89 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT lag bei 110 Millionen Euro. TKMS selbst sprach zudem von einem Rekord-Auftragsbestand und deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und bereinigtem Ergebnis im ersten Halbjahr.
Kooperation mit Fincantieri nimmt Formen an
Am vergangenen Donnerstag besiegelten TKMS und der italienische Werftkonzern Fincantieri eine Absichtserklärung, die die bestehende Zusammenarbeit im Unterwasserbereich vertiefen soll.
Beide Unternehmen wollen bis Jahresende einen gemeinsamen Kooperationsrahmen etablieren – ausdrücklich ohne Fusion oder Übernahme, bestehende Programme bleiben davon unberührt. Fachmedien ordneten den Schritt als Versuch ein, gemeinsam um Auslandsaufträge im U-Boot- und Unterwassertechnik-Segment zu konkurrieren.
Parallel meldete TKMS ein Approval in Principle für ein autonomes unbemanntes Wasserfahrzeug. Das Signal zeigt, dass der Konzern sein Portfolio über klassische bemannte U-Boote hinaus in Richtung unbemannter Systeme erweitert – ein Feld, das in der maritimen Verteidigungsindustrie zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Kurs bleibt trotz Nachrichtenflut unter Druck
Die operativen Fortschritte spiegeln sich derzeit nicht im Aktienkurs. Das Papier schloss am Freitag bei 83,30 Euro, nach einem Rückgang von 7,6 Prozent auf Wochensicht.
Auf Monatssicht steht ein Minus von 5,7 Prozent zu Buche, während die Aktie seit Jahresbeginn dennoch ein Plus von 26 Prozent aufweist. Vom 52-Wochen-Hoch bei 108,80 Euro, erreicht im August, trennen das Papier mittlerweile 23 Prozent.
Die jüngste Schwäche kontrastiert mit der Substanz der Unternehmensmeldungen: Ein abgeschlossenes Großprogramm, ein vertiefter Kooperationsrahmen mit einem der größten europäischen Werftkonzerne und ein wachsender Auftragsbestand jenseits der 20-Milliarden-Marke sprechen für ein intaktes Geschäftsmodell.
Die Kursreaktion dürfte daher eher mit der allgemeinen Nervosität rund um Rüstungswerte und der bereits hohen Bewertung nach dem starken Jahresverlauf zusammenhängen als mit fundamentalen Zweifeln am operativen Kurs des Unternehmens.
Für Anleger bleibt die Diskrepanz zwischen operativer Dynamik und Kursverlauf die zentrale Beobachtungsgröße der kommenden Wochen. Sollte sich der eingeschlagene Wachstumspfad in den kommenden Quartalszahlen bestätigen, dürfte sich die Bewertungslücke perspektivisch schließen.
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