TKMS Aktie: 6,3-Milliarden-Auftrag für Fregatten

TKMS zieht Angebot für Kieler Werft zurück, sichert sich aber milliardenschwere Fregatten-Aufträge aus Deutschland und Perspektiven in Kanada und Indien.

Auf einen Blick:
  • Übernahmepläne für Kieler Werft gescheitert
  • Bundestag genehmigt vier MEKO-Fregatten
  • Kanada plant U-Boot-Kauf für 20 Milliarden
  • Indien-Auftrag über sechs U-Boote erwartet

TKMS beendet seine Übernahmepläne für die Werft German Naval Yards Kiel. Das Unternehmen zog das zuvor unverbindliche Angebot zurück, weil mit dem Eigentümer CMN Naval keine Einigung über Kaufpreis und finanzielle Bedingungen zustande kam. Damit endet ein Vorhaben, das TKMS zusätzliche Fertigungskapazitäten an der Kieler Förde gesichert hätte – während sich das Unternehmen zugleich über mehrere neue Großaufträge freuen kann.

Kein Deal für German Naval Yards Kiel

Der Rückzug aus den Verhandlungen mit CMN Naval markiert das Ende eines Prozesses, der zuvor als strategische Option für den Ausbau der Werftkapazitäten galt. Die Parteien fanden offenbar keinen gemeinsamen Nenner beim Preis. Für TKMS ändert sich dadurch an der operativen Auftragslage nichts – die Werft German Naval Yards Kiel bleibt schlicht außen vor.

Fregatten-Auftrag ersetzt gestopptes F126-Programm

Deutlich gewichtiger für die Perspektive des Unternehmens ist eine Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages. Das Gremium genehmigte die Beschaffung von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU bei TKMS im Volumen von rund 6,3 Milliarden Euro. Der Auftrag enthält zudem eine Option auf vier weitere Schiffe. Er dient als Ersatz für das zuvor gestoppte F126-Fregattenprogramm, das die Bundesregierung vorzeitig beendet hatte.

Genau dieser Stopp hatte die Aktie zuvor unter Druck gesetzt. Zwischen Anfang und Mitte Juli rutschte der Kurs von rund 93 Euro auf unter 80 Euro ab, ein Rückgang von etwa 14 Prozent. Auslöser waren Marktunsicherheiten über die künftige Beschaffungsstrategie der Marine. Mit der Genehmigung des MEKO-Ersatzauftrags durch den Haushaltsausschuss dürfte sich diese Unsicherheit zumindest teilweise aufgelöst haben – die deutsche Marine-Beschaffung setzt nun verstärkt auf die MEKO-Baureihe.

Kanada und Indien als zusätzliche Wachstumstreiber

Neben dem heimischen Fregatten-Geschäft stehen für TKMS zwei internationale Großprojekte im Raum. Kanadas Premierminister Mark Carney hatte TKMS bereits Anfang Juli als bevorzugten Anbieter für das „Canadian Patrol Submarine Project“ benannt – nach eigener Bezeichnung das größte Rüstungsvorhaben in der kanadischen Geschichte. Das Programm sieht bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD vor, das geschätzte Beschaffungsvolumen liegt bei rund 20 Milliarden Euro. Unter Einbeziehung von Wartung und Lebenszyklus-Kosten wird das Gesamtvolumen auf etwa 62 Milliarden kanadische Dollar taxiert.

Parallel dazu blickt TKMS nach Indien. CEO Oliver Burkhard rechnet mit einem Großauftrag der indischen Regierung über sechs U-Boote im Wert von rund 8 Milliarden Euro. Die finale Entscheidung der indischen Marine wird bis zum Ende des Jahres 2026 erwartet. Bestätigt ist der Zuschlag damit noch nicht – Burkhard äußerte lediglich eine Erwartung, keine feststehende Vergabe.

Kursentwicklung nach turbulenten Wochen

An der Börse hat sich die TKMS-Aktie von den Verwerfungen rund um das F126-Aus wieder gefangen. Zum Schluss des vergangenen Handelstages notierte das Papier bei 81,00 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 22,36 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch, das die Aktie im Oktober markiert hatte, ist der Kurs allerdings noch rund 24 Prozent entfernt – ein Hinweis darauf, dass die Rally der vergangenen Monate durch die Debatte um das F126-Programm zuletzt gebremst wurde.

Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Auf der einen Seite steht mit dem MEKO-Ersatzauftrag ein konkretes, bereits vom Haushaltsausschuss genehmigtes Milliardengeschäft. Auf der anderen Seite hängen die noch größeren Wachstumschancen aus Kanada und Indien von Vertragsabschlüssen ab, die erst noch finalisiert werden müssen. Der gescheiterte Einstieg bei German Naval Yards Kiel zeigt zudem, dass nicht jede strategische Option von TKMS am Ende zum Abschluss kommt.

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