Zum einen bestätigte das Unternehmen einen Ransomware-Angriff auf die Tochtergesellschaft Atlas Elektronik. Zum anderen wächst der Auftragsbestand durch neue Milliardenverträge in Skandinavien, Indien und Kanada weiter rasant.
Hackergruppe „The Gentlemen“ greift Atlas Elektronik an
Die Cyberkriminellen der Gruppierung „The Gentlemen“ haben nach eigenen Angaben Daten von Atlas Elektronik erbeutet und sprechen von mehr als einem Terabyte gestohlener Informationen. TKMS bestätigte den Angriff, stufte das Ausmaß der Behauptungen jedoch als übertrieben ein. Das Unternehmen verweist darauf, dass die betroffene nordamerikanische Einheit in einer isolierten IT-Umgebung betrieben werde und damit vom übrigen Konzernnetzwerk getrennt sei. Eine unabhängige Bestätigung der Datenmenge steht bislang aus.
Auftragsbücher füllen sich weiter
Der Vorfall trifft TKMS in einer Phase kräftigen Wachstums. Erst am 17. Juli beauftragte der Konzern den schwedischen Rüstungskonzern Saab mit der Lieferung von Gefechtsführungssystemen und Sensorik für vier neue Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU. Das Volumen dieses Zulieferauftrags liegt bei rund 800 Millionen Euro. Die Integration der Systeme ist zwischen 2029 und 2032 geplant.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte bereits Anfang Juli Mittel in Höhe von 6,3 Milliarden Euro für die Beschaffung von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU bei TKMS freigegeben, inklusive einer Option auf vier weitere Schiffe. Parallel benannte die kanadische Regierung TKMS als bevorzugten Bieter für das „Canadian Patrol Submarine Project“. Bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD stehen im Raum, das geschätzte Gesamtvolumen inklusive Wartung beläuft sich auf rund 20 Milliarden Euro.
Auch beim indischen Großauftrag zeichnet sich eine Entscheidung ab. CEO Oliver Burkhard stellte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Abschluss des Geschäfts über sechs U-Boote im Volumen von rund 8 Milliarden Euro bis zum Jahresende 2026 in Aussicht. Bedenken hinsichtlich einer operativen Überlastung durch den auf rund 40 Milliarden Euro anwachsenden Gesamtauftragsbestand, der auch die Kanada-Optionen einschließt, wies Burkhard im selben Gespräch zurück und bekräftigte die Lieferfähigkeit des Konzerns.
Zahlen, Investoren und Analystenstimmen
Die operative Basis für dieses Wachstum hatte TKMS bereits Anfang Mai gelegt: Für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 meldete der Konzern einen neuen Rekord-Auftragsbestand sowie eine deutliche Steigerung bei Umsatz und bereinigtem EBIT. Zugleich sorgt die Eigentümerstruktur für Bewegung. Finanzinvestor Carlyle prüft Medienberichten zufolge erneut einen Einstieg bei TKMS, während parallel Verhandlungen über eine staatliche Minderheitsbeteiligung durch die KfW-Bankengruppe laufen.
Auf der Analystenseite zeigte sich zuletzt ein gemischtes Bild. Bernstein Research setzte am 8. Juli ein Kursziel von 76 Euro fest, während Deutsche Bank Research einen Tag später mit 110 Euro deutlich optimistischer blieb.
Aktie zwischen Rekordhoch und Korrektur
Der Kurs schloss am Freitag bei 81,00 Euro und liegt damit noch immer 24,00 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 106,58 Euro aus dem Oktober. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 22,36 Prozent zu Buche. Die Aktie hat sich seit dem Jahrestief im November spürbar erholt, bewegt sich aber nach den jüngsten Nachrichten aus Cyberangriff und Auftragsflut weiter in einem volatilen Umfeld.
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