TKMS steckt trotz voller Auftragsbücher in einer Konsolidierungsphase. Die Aktie schloss am Freitag bei 92,60 Euro, ein Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangene Woche summiert sich der Rückgang auf 12 Prozent – ohne dass ein unternehmensspezifisches Ereignis dafür verantwortlich wäre.
Rheinmetall-Kritik zieht Rüstungswerte mit nach unten
Auslöser der jüngsten Schwäche ist ein Bericht über interne Unterlagen von Bundeswehr und Beschaffungsamt BAAINBw, die am Freitag bekannt wurden. Darin wird Konkurrent Rheinmetall wegen Lieferverzögerungen kritisiert: Der Starttermin für das Flugabwehrsystem Skyranger 30 soll sich von Mitte 2026 auf Mitte 2027 verschieben, beim Schweren Waffenträger Infanterie liegt der Verzug bei mindestens elf Monaten. Rheinmetall widerspricht den Vorwürfen teilweise.
Für TKMS selbst liegen keine vergleichbaren Verzögerungsvorwürfe vor. Dennoch gerieten neben Rheinmetall auch RENK, HENSOLDT und TKMS im Branchensog unter Druck. Medienberichten zufolge nährt der Fall generelle Zweifel, ob Rüstungskonzerne ihre prall gefüllten Auftragsbestände tatsächlich fristgerecht in Umsatz verwandeln können – eine Sorge, die den gesamten Sektor derzeit begleitet.
Auftragslage bleibt der eigentliche Stützpfeiler
Inhaltlich hat sich an der operativen Stärke von TKMS nichts geändert. Der Auftragsbestand liegt Medienberichten zufolge auf Rekordniveau von 20,1 Milliarden Euro. Hinzu kommen mögliche weitere Großprojekte: CEO Oliver Burkhard äußerte sich Mitte Juli optimistisch, dass ein indischer Auftrag über sechs U-Boote im Volumen von rund 8 Milliarden Euro noch in diesem Jahr zustande kommen könnte, und wies Spekulationen über eine Überlastung der Werft durch den prallen Auftragsbestand zurück.
Bereits Anfang Juli hatte der kanadische Premierminister Mark Carney den Zuschlag für bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD an TKMS bekanntgegeben, geschätztes Volumen rund 12 Milliarden Euro. Die Produktion soll vollständig in Deutschland, in Kiel und Wismar, stattfinden.
Die Aktie hatte damals zeitweise um 11 Prozent zugelegt. Auch national wächst das Geschäft: Der Haushaltsausschuss erweiterte Ende Juli einen Vorvertrag für vier MEKO-A-200-Fregatten der Bundeswehr auf rund 250 Millionen Euro, das erste Schiff soll bis Dezember 2029 ausgeliefert werden.
Charttechnisches Bild spricht für Konsolidierung statt Trendwende
Die aktuelle Schwäche lässt sich auch charttechnisch einordnen. Erst am 14. August hatte die Aktie mit 108,80 Euro ein Rekordhoch markiert, seither nähert sich der Kurs mit dem Rückgang der vergangenen Woche einer Konsolidierung um die runde 100-Euro-Marke, wie Marktbeobachter diskutieren.
Der aktuelle Kurs liegt weiterhin rund 15 Prozent unter diesem Hoch, was angesichts der vorangegangenen Rally und der jüngsten Gewinnmitnahmen wenig überraschend erscheint.
Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage, ob der Kursrücksetzer eine reine Sektor-Reaktion ist oder erste Vorboten einer tieferen Neubewertung. Die vorliegenden Fakten sprechen für Ersteres: TKMS selbst steht nicht im Zentrum der Kritik an Lieferverzögerungen, und die Auftragspipeline aus Kanada, Indien und dem heimischen Bundeswehr-Programm bleibt intakt.
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