ThyssenKrupp Nucera hat am vergangenen Donnerstag vorläufige Zahlen für das dritte Quartal 2025/26 veröffentlicht und dabei beim Umsatz sowie beim operativen Ergebnis (EBIT) die Prognosen der Analysten überboten. Maßgeblich für diese Entwicklung waren zeitliche Vorzieheffekte im Segment Chlor-Alkali, durch die Umsätze, die ursprünglich für das vierte Quartal geplant waren, bereits im dritten Berichtsviertel realisiert werden konnten. Dennoch zeigt der Zwischenbericht eine deutliche Spreizung zwischen den beiden tragenden Geschäftssäulen des Elektrolyse-Spezialisten.
Chlor-Alkali-Geschäft kompensiert Schwäche bei Wasserstoff
Im dritten Quartal belief sich der vorläufige Konzernumsatz auf 145 Millionen Euro, nach 184 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Während das klassische Geschäft mit Chlor-Alkali-Elektrolyse (CA) seinen Umsatz deutlich von 81 Millionen auf 109 Millionen Euro steigern konnte, verzeichnete der Bereich für grünen Wasserstoff (gH2) einen Rückgang auf 36 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte dieses Segment noch 103 Millionen Euro beigetragen.
Auch beim Ergebnis zeigt sich diese Zweiteilung: Das vorläufige EBIT der Gruppe lag bei rund -2 Millionen Euro und damit über dem Marktkonsens, nachdem im Vorjahr noch eine schwarze Null zu Buche gestanden hatte. Während das Chlor-Alkali-Segment ein positives EBIT von 15 Millionen Euro erwirtschaftete, wies der Bereich grüner Wasserstoff ein Minus von 17 Millionen Euro aus. Der gesamte Auftragseingang der Gruppe stieg im Berichtsquartal auf 81 Millionen Euro, wobei der Löwenanteil von 78 Millionen Euro ebenfalls auf das CA-Geschäft entfiel. Der Auftragsbestand zum Stichtag am 30. Juni 2026 lag bei 638 Millionen Euro.
Parallel dazu gab das Unternehmen eine rückwirkende Korrektur der Zahlen für das erste Halbjahr 2025/26 bekannt. Gemäß Rechnungslegungsstandard IAS 8.41 wurden die Umsatzerlöse im Chlor-Alkali-Segment um 12 Millionen Euro und das EBIT um 2 Millionen Euro nach oben angepasst.
Projektfortschritte und Analysteneinschätzung
Operativ meldete ThyssenKrupp Nucera am vergangenen Mittwoch einen Erfolg in Südamerika. Am Standort Palmeira in Brasilien übergab das Unternehmen eine neue, modular aufgebaute Chlor-Alkali-Elektrolyseanlage an den Kunden Chlorum Solutions. Die Anlage verfügt über eine Kapazität von mehr als 15.000 Tonnen Chlor pro Jahr. Es handelt sich bereits um das zweite Projekt, das für diesen Kunden im laufenden Kalenderjahr fertiggestellt wurde.
Die Analysten von mwb research bestätigten am Freitag ihre Kaufempfehlung für die Aktie und setzten ein Kursziel von 15,00 Euro. In der Begründung verwiesen die Experten auf die robuste Rentabilität und das solide Auftragsmomentum. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund eines aktuell schwierigen Marktumfeldes für grünen Wasserstoff positiv zu bewerten.
An der Börse reagierte das Papier zuletzt schwächer. Am Freitag schloss die Aktie bei 7,63 Euro, was einem Tagesverlust von 2,68 % entspricht. Damit notiert der Wert jedoch weiterhin 10,26 % über seinem 52-Wochen-Tief von 6,92 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Titel 14,22 % an Wert verloren.
Die Veröffentlichung der vollständigen Quartalsmitteilung für das dritte Quartal sowie für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres ist für den 12. August geplant. Anfang September wird das Management zudem an einer Investorenkonferenz in Frankfurt teilnehmen, um die weitere Strategie in einem volatilen Marktumfeld zu erläutern.
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