Es gibt Tage, an denen die Börse einem Unternehmen einfach einen Scheck ausstellt. Für Thyssenkrupp war das dieser Mittwoch. Die Aktie des angeschlagenen deutschen Industriekonzerns zog um 7,5 Prozent an, als bekannt wurde, dass der finnische Aufzugsbauer Kone den früheren Thyssenkrupp-Ableger TK Elevator für stolze 34,4 Milliarden Dollar kaufen will.
Was da gerade auf dem Tisch liegt
Thyssenkrupp hält noch 16,2 Prozent an TK Elevator, jenem Aufzugsgeschäft, das der Konzern 2020 an ein Konsortium um Advent und Cinven verkauft hatte. Den Anteil behielt man damals, Buchwert laut Dezember-Angaben: rund 2 Milliarden Euro. Nun könnte dieser Posten plötzlich deutlich mehr wert sein.
Konkret: Aus dem Baranteil des Deals stehen Thyssenkrupp rund 810 Millionen Euro zu. Dazu kommen bis zu 2,46 Milliarden Euro in neu ausgegebenen Kone-Aktien, was dem Konzern einen Anteil von 5,5 Prozent an der kombinierten Kone-TKE-Einheit einbringen würde. Jefferies und JPMorgan rechnen in Summe mit bis zu 3,4 Milliarden Euro, was annähernd zwei Dritteln der aktuellen Marktkapitalisierung von Thyssenkrupp entspricht.
Thyssenkrupp AG Aktie Chart
Endlich mal eine gute Nachricht
Die Analysten von Jefferies nannten das Ganze ein „klares Plus für Thyssenkrupp, das lang ersehnte Wertrealisierung aus einem nicht zum Kerngeschäft gehörenden Asset liefert und die Transparenz spürbar verbessert“.
Thyssenkrupp selbst hielt sich bedeckt. Man prüfe den Vorschlag, hieß es, und wolle sich nicht zu den finanziellen Auswirkungen äußern. Das ist verständlich, denn der Deal ist noch nicht durch. Kone würde mit dem Kauf zum weltgrößten Aufzugshersteller aufsteigen, was Regulierungsbehörden erfahrungsgemäß nicht kalt lässt.
Der Haken, den es immer gibt
Thyssenkrupp steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbau zum Holdingkonzern. Geld kann der Konzern gut gebrauchen, das ist bekannt. Aber 2,46 Milliarden Euro in Kone-Aktien sind eben keine 2,46 Milliarden Euro Cash. Man tauscht einen Minderheitsanteil gegen einen anderen, nur diesmal an einem börsennotierten Unternehmen mit entsprechender Kursschwankung. Wer das als vollständige Entschuldung liest, liest zu schnell.
Immerhin: 810 Millionen Euro in bar sind 810 Millionen Euro in bar. Und für einen Konzern, der gerade alles neu sortiert, wäre das kein schlechter Anfang.
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