Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von ThyssenKrupp, seit Anfang Februar im Niedergang, hatte am Mittwoch ein überraschendes Lebenszeichen gezeigt: Am Handelsplatz Frankfurt ging es mit den Papieren des kriselnden Industriekonzerns im Tagesverlauf bis auf genau 8,00 Euro nach oben. Im Vergleich zum Jahrestiefstand am Montag bei einem Kurs von 7,15 Euro war das ein Aufschlag von fast 12 Prozent. Doch die Euphorie war kurz, am Donnerstagmorgen rutschte die Thyssenkrupp-Aktie auf zwischenzeitlich wieder 7,62 Euro zurück, bevor sie sich wieder etwas fing. Und klar, an der schwierigen Ausgangslage hat sich beim Unternehmen nichts geändert.
Nur TKMS profitiert von Rüstungsaufträgen
Während die Stahlsparte von ThyssenKrupp weiter im Krisenmodus verharre, „liefert die Marinesparte einen kräftigen Stimmungsimpuls“, erklärte man auf kapitalmarktexperten.de den kurzfristigen Aufwärtstrend bei der Aktie — „getrieben von konkreten Rüstungsaufträgen, die den Konzern in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen“, wie es am Mittwoch hieß. ThyssenKrupp Marine Systems profitiere von einer robusten Auftragslage.
„Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigte im März die Verlängerung eines Vorvertrags zur Beschaffung von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU — ein Rahmen von rund 250 Millionen Euro, der TKMS die frühzeitige Materialbeschaffung und Kapazitätssicherung erlaubt“, so der Bericht. Das erste Schiff soll demnach bis Ende 2029 ausgeliefert werden. Der gesamte Auftragsbestand der Marinesparte belaufe sich auf 18,7 Milliarden Euro — „ein solides Fundament, das die seit Oktober 2025 börsennotierte Einheit klar von den Problemen im Mutterkonzern entkoppelt“, so die Einschätzung.
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Laut des Wirtschaftsmagazins Capital geht es um 600 Beschäftigte, die dort sogenanntes Elektroband für Transformatoren, Umspannwerke oder Windkraftanlagen herstellen. Eigentlich ein begehrtes Spezialmaterial in Zeiten der Energiewende, wie es heißt. „Doch die Fabrik kommt im Wettbewerb mit chinesischen und anderen asiatischen Konzernen nicht mehr mit“, so die Einschätzung.
In die Analyse mischt sich eine gehörige Portion Fatalismus: Eigentlich sei die Meldung aus der letzten Woche keine große Nachricht, heißt es. „Es ist die endlose Kette solcher Tiefschläge, die ThyssenKrupp immer mehr ins Taumeln bringen“, so der Bericht. Dem Konzern drohe „der Tod durch Tausend Schnitte“.
Hohe Kursziele für Thyssenkrupp-Aktie
Dabei ist der bedeutendste noch gar nicht vollzogen: Die weiterhin laufenden Verhandlungen über den Verkauf des Stahlbereichs an den indischen Milliardär Naveen Jindal könnten durchaus noch scheitern. Es wäre die nächste Hiobsbotschaft für ThyssenKrupp.
Die Analysten aber hatten die Misere des Traditionsunternehmens an der Börse so nicht vorhergesehen. Das zeigen die Kursziele, die laut finanzen.net seit Mitte Februar für die Aktie aufgerufen worden waren:
- Jefferies: 13,00 EUR, +67,14%
- JP Morgan: 10,10 EUR, +29,85%
- Barclays: 9,50 EUR, +22,14%
- DZ BANK: 11,00 EUR, +46,65%
ThyssenKrupp-Aktie verlor und verlor
Dabei hatte selbst die skeptische Investmentbank Barclays den Abwärtstrend unterschätzt: Sie hatte das Kursziel für ThyssenKrupp am 23. Februar von 9 auf 9,50 Euro angehoben, die Einstufung allerdings auf „Underweight“ belassen. Was aus heutiger Sicht eigenartig anmutet, hat seinen Grund: Am Analysetag notierte die Aktie noch bei mehr als 11 Euro, hat seitdem also nicht weniger als 35 Prozent an Wert eingebüßt.
Die Berichtssaison im europäischen Stahlsektor sei bislang mehr oder weniger im Rahmen der Erwartungen verlaufen, schrieb Barclays-Analyst Tom Zhang in seiner damaligen Brancheneinschätzung. Kommentare zum europäischen Protektionismus ließen darauf schließen, dass sich Vorteile davon eher im späteren Jahresverlauf zeigen. Für ThyssenKrupp begründete er eine höhere Gewinnschätzung vor allem mit der Wirkung der Strompreiskompensation im europäischen Stahlgeschäft. Er nähere sich damit dem oberen Ende der Konsensspanne, betonte er. Diese allerdings war offenbar viel zu hoch angesetzt.
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