Die Neuausrichtung des Traditionskonzerns Thyssenkrupp geht in eine entscheidende Phase. Vor dem offiziellen Abschluss des Geschäftsjahres 2025/2026 am kommenden Mittwoch treibt das Management die strukturelle Aufspaltung des Konglomerats auf mehreren Ebenen voran. Im Mittelpunkt stehen die Vorbereitung der Eigenständigkeit des Stahlgeschäfts sowie der bevorstehende Börsengang der Werkstoffhandelssparte.
Am Aktienmarkt legte der Titel heute um 1,9 % auf 15,25 Euro zu. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit ein Plus von 64 %, womit der Kurs nur knapp unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch notiert.
Im Fokus der industriellen Transformation stehen Großinvestitionen wie der Bau einer Direktreduktionsanlage am Standort Duisburg. Parallel dazu arbeitet das Segment an Spezialanwendungen: Auf der Fachmesse Coiltech Italia stellte die Stahltochter gestern neue Elektrobandlösungen für Transformatoren und Elektromotoren vor, um die Nachfrage in technologieintensiven Segmenten zu adressieren. In den ersten neun Monaten erzielte der Stahlbereich ein bereinigtes operatives Ergebnis (EBIT) von 373 Millionen Euro.
Abspaltung von TK Accelis vor dem Vollzug
Noch weiter fortgeschritten ist der Prozess bei der Werkstoffsparte TK Accelis, der früheren Materials Services. Nach der Zustimmung der Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 7. August 2026 soll die Abspaltung bis Ende Oktober 2026 über die Eintragung im Handelsregister vollzogen werden. Unmittelbar danach ist die Notierung der Aktien im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse geplant.
Gemäß den Beschlüssen spaltet Thyssenkrupp 49 % der Anteile ab und behält mit 51 % die Mehrheit. Aktionäre des Konzerns erhalten für jeweils 20 gehaltene Anteilsscheine eine Kommanditaktie von TK Accelis.
Die Gesellschaft erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro und strebt mittelfristig ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 4 % sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 4 bis 5 % an.
Konzernziele für das Geschäftsjahr 2025/2026
Finanziell steuert der Gesamtkonzern auf den Abschluss eines von tiefgreifenden Einmalaufwendungen geprägten Jahres zu. Für das am 30. September 2026 endende Geschäftsjahr bekräftigte das Unternehmen seine Prognose.
Das bereinigte EBIT wird in einer Spanne von 600 bis 900 Millionen Euro erwartet, nachdem die Untergrenze zuvor bei 500 Millionen Euro gelegen hatte. Beim Free Cashflow vor M&A rechnet Thyssenkrupp mit einem Minus von 600 bis 300 Millionen Euro, während der Jahresfehlbetrag zwischen 700 und 400 Millionen Euro prognostiziert wird.
Mit den anstehenden Terminen wird sich zeigen, wie schnell die angepeilte Wertsteigerung durch die Verselbstständigung der Teilbereiche am Kapitalmarkt greift.
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