Die Zahlen klingen zunächst nach einem klaren Fortschritt: mehr Umsatz, mehr operativer Gewinn, eine schwarze Null unter dem Strich. Trotzdem verfehlte Thyssenkrupp im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten bei Marge und Ergebnis. Der Essener Konzern zeigt damit ein zwiespältiges Bild: operative Fortschritte, aber offenbar nicht schnell genug für die Markterwartungen.
Wachstum ohne Margensprung
Der Umsatz kletterte im Quartal um 8 Prozent auf knapp 8,8 Milliarden Euro, getragen vom Werkstoffhandel, verbesserten Stahlgeschäften und der Marinetochter TKMS. Das bereinigte EBIT stieg um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro – Analysten hatten mit rund 207 Millionen Euro gerechnet. Die Marge verbesserte sich zwar leicht auf 2,1 Prozent, blieb aber unter der von Analysten erwarteten Marke von 2,4 Prozent.
Nach Steuern verdiente Thyssenkrupp 34 Millionen Euro, nach einem Verlust von 255 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Dabei half auch ein Bilanzeffekt von 131 Millionen Euro aus dem Verkauf der HKM-Anteile an Salzgitter. Nach Abzug von Minderheitsanteilen stand exakt eine schwarze Null.
Schwächer entwickelte sich das Automotive-Geschäft, während der Auftragseingang konzernweit um ein Viertel auf 7,7 Milliarden Euro zurückging. Grund dafür war vor allem der fehlende Vergleichseffekt: Im Vorjahr hatten zwei Großaufträge das Neugeschäft der Marinesparte TKMS kräftig angeschoben.
Prognose angehoben, aber vorsichtig
Thyssenkrupp engte seine Jahresprognose zum Ende des Geschäftsjahres 2025/26 ein – und zwar nach oben. Das bereinigte EBIT wird nun mit 600 bis 900 Millionen Euro erwartet, nach zuvor 500 bis 900 Millionen Euro. Der Nettoverlust soll höchstens 700 statt 800 Millionen Euro betragen. Beim Umsatz rechnet der Konzern dagegen mit einem Rückgang von 1 bis 3 Prozent – zuvor war auch ein stabiler Umsatz noch möglich gewesen.
Vorstandschef Miguel López sprach von wachsender operativer Stärke und strategischer Klarheit. Die geplante Börsennotierung der Werkstoffsparte TK Accelis und die Neuaufstellung von Steel Europe nannte er als Belege dafür, dass sich das angestrebte Zukunftsmodell einer Finanzholding trage.
Bei TKMS, die künftig als eigenständig gelistete Einheit fungiert, zeigt sich derweil ein deutlich dynamischeres Bild. Die Marinetochter hatte ihre Neun-Monats-Zahlen bereits am Mittwoch vorgelegt und dabei die Jahresprognose zum zweiten Mal angehoben – das Umsatzwachstum soll nun 10 bis 12 Prozent erreichen, nach zuvor 2 bis 5 Prozent. Möglich macht das unter anderem der milliardenschwere MEKO-A-200-Auftrag der Bundeswehr sowie die Aussicht auf ein kanadisches U-Boot-Programm, das den Auftragsbestand um mehr als die Hälfte steigern könnte.
Für den Gesamtkonzern bleibt der Blick auf das laufende Geschäftsjahr entscheidend. Die Marge im Kerngeschäft muss sich weiter verbessern, damit die am unteren Ende angehobene Prognose nicht schon wieder zur neuen Zielmarke wird, die es zu übertreffen gilt.
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