Die LBBW hat gestern ihr Kursziel für Thyssenkrupp von 19 auf 18 Euro gesenkt und die Einstufung „Kaufen“ bestätigt. Das geht aus Medienberichten hervor. Damit fällt die Bewertung vorsichtiger aus, ohne dass das Analysehaus seine grundsätzlich positive Anlageempfehlung aufgegeben hätte. Für Anleger ist diese Unterscheidung entscheidend: Die Kurszielsenkung ist keine Herabstufung des Anlageurteils.
Zwei niedrigere Bewertungen, weiterhin Kaufempfehlungen
Die Anpassung der LBBW folgt auf eine ähnliche Entscheidung der DZ Bank. Diese hatte am 29. Oktober den fairen Aktienwert von 16 auf 15 Euro reduziert. Auch sie beließ die Einstufung auf „Kaufen“.
Beide Häuser haben damit ihre Bewertungsmarken zurückgenommen, nicht aber ihre Kaufempfehlungen. Ihre Aussagen verbinden eine vorsichtigere Bewertung mit einem weiterhin positiven Anlageurteil. Ein niedrigeres Kursziel allein als Verkaufssignal zu lesen, würde den Inhalt der beiden Analystenaktionen deshalb verkürzen.
Beim aktuellen Aktienkurs von 12,86 € liegen beide Bewertungsmarken oberhalb der Börsennotierung. Das ordnet die beibehaltenen Kaufempfehlungen ein. Die Zielwerte sind allerdings Analysteneinschätzungen und keine zugesagten künftigen Kurse.
Für die Einordnung des Kursverlaufs kommt außerdem die Abspaltung von tk accelis hinzu. Deren Börsenstart vor gut einer Woche ging mit einer kräftigen Abwärtsbewegung der Thyssenkrupp-Aktie einher. Die Berichterstattung ordnete diese als optischen Effekt der Abspaltung ein. Die Bewegung der Mutteraktie lässt sich deshalb nicht ohne diesen Zusammenhang bewerten.
Kostenforderung trifft auf bedingten Wasserstoffhochlauf
Neben den Analystenbewertungen verdient die Tarifrunde Beachtung. Die IG Metall beschloss am 27. Oktober eine Forderungsempfehlung von 5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die nordwestdeutsche Stahlindustrie. Thyssenkrupp Steel gehört zur betroffenen Tarifregion.
Die Empfehlung ist noch kein Tarifabschluss. Für Anleger beschreibt sie damit eine mögliche Kostenbelastung, keinen bereits feststehenden zusätzlichen Aufwand. Gerade bei der Bewertung künftiger Ergebnisse ist diese Trennung zwischen Forderung und vereinbartem Abschluss wichtig.
Auch beim Dekarbonisierungsprojekt tkH2Steel bleiben wirtschaftliche Bedingungen maßgeblich. Nach Unternehmensangaben soll der Wasserstoffanteil schrittweise steigen, abhängig von Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Thyssenkrupp Steel bereitet dafür eine neue Wasserstoffausschreibung vor.
Die Analystenaktionen liefern somit ein differenziertes Signal: LBBW und DZ Bank haben ihre Bewertungsansätze gesenkt, sehen die Aktie mit ihren Kaufempfehlungen aber weiterhin positiv. Tarifkosten und die wirtschaftlichen Bedingungen des Wasserstoffeinsatzes bleiben konkrete Punkte, an denen Anleger diese Einschätzungen messen können.
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