Die Deutsche Bank traut der Thyssenkrupp-Aktie deutlich mehr zu. Analyst Bastian Synagowitz hob das Kursziel am 22. Juli 2026 von 14,50 auf 16 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Als Treiber nennt er den tk accelis-Deal, aus dem sich nach seiner Einschätzung ein zusätzliches Aufwärtspotenzial von 2 Euro ergibt. Zudem verweist Synagowitz darauf, dass eine Ausgliederung des Bereichs Materials Services für die Aktionäre einer Dividende gleichkäme.
Konzernumbau treibt die Bewertung
Die neue Zielmarke reiht sich in eine Reihe von Schritten ein, mit denen Thyssenkrupp seine Konzernstruktur seit Monaten neu ordnet. Der tk accelis-Deal steht dabei im Zentrum der Analystenargumentation als eigenständiger Werttreiber, während eine mögliche Abspaltung von Materials Services aus Sicht der Deutschen Bank zusätzlichen Substanzwert für Aktionäre freisetzen würde. Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der der Konzern mehrere Randbereiche gleichzeitig neu justiert – nicht nur im Stahlgeschäft, sondern auch im maritimen Segment.
So zog die Tochter Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) am 21. Juli 2026 ihr unverbindliches Angebot für German Naval Yards Kiel zurück. Grund war eine ausbleibende Einigung mit Eigentümer CMN Naval über die Konditionen. Rheinmetall bleibt damit als einziger Interessent für die Werft mit rund 400 Beschäftigten übrig. Für TKMS selbst ändert der Rückzug wenig am operativen Bild: Der Auftragsbestand der Rüstungssparte liegt weiterhin bei mehr als 18 Milliarden Euro.
Kurs reagiert verhalten positiv
Die Aktie notiert nach der Kurszielanhebung bei 12,23 Euro und legt damit um 1,07 Prozent zu. Damit bleibt der Titel zwar rund 7,66 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025, hat sich seit Jahresbeginn aber deutlich erholt: Auf Jahressicht steht ein Plus von knapp 32 Prozent zu Buche. Auch der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 8,87 Prozent signalisiert, dass die Aktie derzeit über ihrem kurzfristigen Trend liegt – ein Umfeld, in dem die angehobene Kaufempfehlung der Deutschen Bank auf fruchtbaren Boden fallen dürfte.
Für Anleger bleibt die Gemengelage bei Thyssenkrupp komplex: Auf der einen Seite treibt die Umstrukturierung mit tk accelis und der diskutierten Materials-Services-Ausgliederung die fundamentale Neubewertung durch Analysten. Auf der anderen Seite zeigt der Rückzug aus dem Bieterverfahren um German Naval Yards, dass nicht jede Wachstumsoption im maritimen Geschäft zum Abschluss kommt. Die Deutsche Bank sieht unter dem Strich dennoch genug Substanz, um ihre Kaufempfehlung mit einem höheren Kursziel zu unterlegen.
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