Thyssenkrupp trennt sich endgültig von einem Kerngeschäft und bekommt dafür Lob von der Wall Street. Diese Woche brachte gleich zwei Nachrichten mit Gewicht: den Rückzug aus dem Stahl-Gemeinschaftsunternehmen HKM und eine deutliche Kurszielanhebung durch JPMorgan. Die Aktie schloss am Freitag bei 11,50 Euro, ein Plus von 1,72 Prozent.
HKM geht komplett an Salzgitter
Nach monatelangen Verhandlungen ist der Rückzug aus den Hüttenwerken Krupp Mannesmann vollzogen. Salzgitter übernimmt HKM künftig zu hundert Prozent. Sowohl Thyssenkrupp Steel Europe als auch Vallourec ziehen sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurück.
Am 8. Juli unterschrieben beide Seiten die Verträge. Damit kann Salzgitter die Integration von HKM starten.
Für Thyssenkrupp hat der Deal auch vertragliche Folgen. Der Liefervertrag von HKM mit Thyssenkrupp Steel endet nun bereits 2028 – vier Jahre früher als ursprünglich geplant. Steel-Europe-Chefin Marie Jaroni nennt die Lösung einen wichtigen Meilenstein. Die Konzentration der Produktion im Duisburger Norden soll Auslastung und Profitabilität steigern.
Für die Belegschaft wird der Umbau schmerzhaft. Thyssenkrupp will die Zahl der HKM-Beschäftigten von aktuell rund 3.000 langfristig auf etwa 1.000 senken. Über die finanziellen Details der Trennung schweigen beide Seiten.
JPMorgan traut der Stahlbranche mehr zu
Parallel zur operativen Nachricht kommt Rückenwind von der Analystenseite. JPMorgan hebt das Kursziel für Thyssenkrupp von 11,80 auf 12,80 Euro an. Die Einstufung bleibt bei „Neutral“.
Analyst Dominic O’Kane sieht die europäische Stahlbranche optimistischer. Politische Schutzmaßnahmen würden zunehmend wirken, schrieb er am Donnerstag.
Die Studie reiht sich in eine breitere Neubewertung ein. JPMorgan stuft Salzgitter von „Underweight“ auf „Overweight“ hoch und verdoppelt das Kursziel von 31,40 auf 65,00 Euro. ArcelorMittal wandert von „Underweight“ auf „Neutral“, das Kursziel steigt von 45 auf 57 Euro. Auch Voestalpine bewertet JPMorgan positiver.
O’Kane erwartet für das zweite Halbjahr steigende Stahlpreise in Europa. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen dürfte dadurch Fahrt aufnehmen. Für die laufende Berichtssaison zum zweiten Quartal rechnet er allerdings noch nicht mit positiven Überraschungen.
Rüstungssparte sorgt für zusätzlichen Schub
Neben dem Stahlgeschäft bleibt die Marinesparte TKMS im Blick der Anleger. Der Haushaltsausschuss des Bundestags billigte am 8. Juli einen milliardenschweren Fregattenauftrag. Vier U-Jagd-Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU kosten rund 6,3 Milliarden Euro – der Auftrag ersetzt das zuvor gestoppte Projekt F126.
Hinzu kommt eine Option auf vier weitere Fregatten im Wert von rund 5,3 Milliarden Euro. Diese braucht aber noch eine separate parlamentarische Freigabe.
Trotz der positiven Nachrichten reagierte die Aktie zeitweise verhalten. Ein Grund: TKMS muss bei der Konstruktion bevorzugt Werftstandorte und Subunternehmer einbeziehen, die durch die F126-Absage Aufträge verloren hatten.
Was als Nächstes ansteht
Am 7. August 2026 stimmen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die geplante Abspaltung der Werkstoffsparte TK Accelis ab. Seit Jahresbeginn steht für die Aktie ein Plus von 18,90 Prozent zu Buche, aktuell notiert sie rund 4,58 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 11,00 Euro. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen der Aktie derzeit noch gut 13 Prozent.
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