Thyssenkrupp bereitet sich auf einen wichtigen Termin vor: Ende September lädt der Konzern zum Kapitalmarkttag für die Sparte Steel Europe. Im Zentrum stehen das Restrukturierungsabkommen, der Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen HKM sowie die Auswirkungen der EU-Zölle auf europäische Stahlimporte.
Für Anleger ist der Termin von Bedeutung, weil er erstmals seit der jüngsten Zahlenvorlage konkrete Details zur Zukunft des kriselnden Stahlgeschäfts liefern soll.
Die Aktie notiert aktuell bei 15,58 Euro und hat damit binnen 30 Tagen ein Viertel an Wert gewonnen. Getragen wird diese Entwicklung von einer Kette positiver Nachrichten der vergangenen Wochen – von der Kurszielanhebung durch Analysten über die Neuverhandlung der Förderbedingungen für die geplante Direktreduktionsanlage bis zur Produktionseinstellung eines Wettbewerbers in Duisburg. Diese Themen sind mittlerweile im Kurs verarbeitet, der Kapitalmarkttag liefert nun den nächsten möglichen Katalysator.
Operative Verbesserung im Stahlgeschäft
Grundlage für die positive Kursentwicklung ist auch die Geschäftsentwicklung selbst. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Über die ersten neun Monate kletterte das bereinigte EBIT um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro, im Quartal erzielte der Konzern erstmals wieder ein positives Nettoergebnis.
Als Reaktion auf diese Entwicklung erhöhte Thyssenkrupp die Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Das bereinigte EBIT soll nun zwischen 600 und 900 Millionen Euro liegen, zuvor hatte die Spanne bei 500 bis 900 Millionen Euro gelegen.
Auch beim Nettoergebnis rechnet der Konzern mit einer geringeren Belastung als bisher angenommen – die Prognose verbesserte sich auf minus 700 bis minus 400 Millionen Euro.
Diese operativen Fortschritte fallen in eine Phase, in der Thyssenkrupp gleichzeitig seine Konzernstruktur neu ordnet. Vor gut einer Woche billigte eine außerordentliche Hauptversammlung die Abspaltung der Sparte TK Accelis, seither hat die Aktie um 8,5 Prozent zugelegt. 49 Prozent der neuen Gesellschaft gehen an die bestehenden Aktionäre, 51 Prozent verbleiben bei Thyssenkrupp.
Der Eintrag ins Handelsregister wird für Ende Oktober erwartet, eine eigene Börsennotiz im Prime Standard in Frankfurt ist noch für dieses Jahr geplant. Parallel dazu hat der Konzern seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen HKM an Salzgitter verkauft und damit einen weiteren Schritt im Umbau des Stahlgeschäfts vollzogen.
Marinesparte liefert stabilen Gegenpol
Während sich die Stahlsparte im Umbruch befindet, entwickelt sich die Marinesparte TKMS als verlässlicher Wertbeitrag. Der Auftragsbestand liegt bei über 20 Milliarden Euro.
Im Juli kamen neue Aufträge hinzu: Thyssenkrupp gilt als bevorzugter Lieferant für das kanadische U-Boot-Programm, zudem sicherte sich die Sparte einen Auftrag für eine deutsche Fregatte. Diese Diversifizierung dürfte dem Konzern helfen, die Volatilität im zyklischen Stahlgeschäft abzufedern.
Der bevorstehende Kapitalmarkttag wird zeigen, wie belastbar die angehobene Prognose ist und welche konkreten Schritte beim HKM-Ausstieg und im Umgang mit den EU-Handelsschutzmaßnahmen folgen. Für Anleger bleibt der Termin Ende September der nächste Prüfstein, an dem sich entscheidet, ob der operative Turnaround im Stahlgeschäft tatsächlich Substanz gewinnt.
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