Thyssenkrupp Aktie: Hauptversammlung am 7. August entscheidet

Die außerordentliche Hauptversammlung am 7. August soll grünes Licht für die Abspaltung der Werkstoffsparte tk accelis geben. Analysten zeigen sich gespalten.

Auf einen Blick:
  • Entscheidung über tk-accelis-Abspaltung am 7. August
  • Amundi erhöht Anteile auf über fünf Prozent
  • Deutsche Bank hebt Kursziel auf 16 Euro an
  • EU senkt Importquoten für Stahl deutlich

Thyssenkrupp steuert auf eine der wichtigsten Weichenstellungen der jüngeren Konzerngeschichte zu. Am 7. August entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung final über die Abspaltung der Werkstoffsparte tk accelis, vormals Materials Services, samt geplantem Börsengang noch im laufenden Kalenderjahr. Die Aktie honoriert die Aussicht auf den Umbau: Am Freitag schloss das Papier bei 12,24 Euro, ein Plus von 2,51 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 31,98 Prozent zu Buche.

Weichenstellung vor der Hauptversammlung

Der Zeitplan für die Abspaltung ist eng getaktet. Auf die Hauptversammlung am 7. August folgt bereits am 13. August die Veröffentlichung des Zwischenberichts zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 – ein Termin, der zeigen dürfte, wie belastbar die operative Entwicklung im Kernkonzern neben dem laufenden Konzernumbau ist. Auf einem Capital Markets Day stellte tk accelis am 22. Juli ihre mittelfristigen Finanzziele vor: Die EBITDA-Marge soll von 2,0 Prozent im Geschäftsjahr 2024/25 auf 4 bis 5 Prozent steigen, begleitet von einem jährlichen Umsatzwachstum von über 4 Prozent. Diese Ziele markieren den Anspruch, die Werkstoffsparte als eigenständiges, profitables Unternehmen an die Börse zu bringen.

Parallel zum Umbau verändert sich auch die Aktionärsstruktur. Der Vermögensverwalter Amundi meldete am 24. Juli eine Erhöhung seiner Stimmrechtsanteile an Thyssenkrupp auf 5,06 Prozent, nach zuvor 4,69 Prozent. Die Zukäufe erfolgten zum Stichtag 20. Juli und deuten auf ein wachsendes institutionelles Interesse an der Aktie im Vorfeld der Hauptversammlung hin.

Analysten mit unterschiedlichem Blick

Die Strategiepräsentation zur tk-accelis-Abspaltung hat bei Deutsche Bank Research für Bewegung gesorgt. Analyst Bastian Synagowitz hob das Kursziel am 22. Juli von 14,50 auf 16,00 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Die Anhebung folgt direkt auf die Bekanntgabe der mittelfristigen Finanzziele von tk accelis und signalisiert Vertrauen in den eingeschlagenen Kurs der Konzernaufspaltung.

Zurückhaltender äußerte sich JPMorgan Chase & Co., das am 10. Juli seine Einstufung „Neutral“ für die Thyssenkrupp-Aktie bestätigte, verbunden mit einem Kursziel von 12,80 Euro. Die Spanne zwischen den beiden Einschätzungen spiegelt die Unsicherheit wider, die mit einem Konzernumbau dieser Größenordnung einhergeht: Während Deutsche Bank in der Abspaltung einen Wertentriegelungshebel sieht, bewertet JPMorgan das aktuelle Kursniveau als bereits weitgehend fair abgebildet.

Rückenwind im Stahlgeschäft, Rückschlag bei Marine Systems

Abseits des Konzernumbaus verbessert sich das regulatorische Umfeld für das Stahlgeschäft. Seit dem 1. Juli gelten in der Europäischen Union verschärfte Schutzmaßnahmen für den Sektor: Die zollfreien Importquoten für Drittstaaten wurden um rund 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr gesenkt. Für Thyssenkrupp Steel Europe verringert das den Wettbewerbsdruck durch günstigere Importe spürbar. Bereits im Juni hatte Thyssenkrupp Steel gemeinsam mit ArcelorMittal Europe und voestalpine die EU-Kommission zu einer dringenden Reform des Emissionshandelssystems aufgerufen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie langfristig zu sichern.

Weniger erfolgreich verlief zuletzt ein Vorhaben im Marinegeschäft: Thyssenkrupp Marine Systems zog sein unverbindliches Übernahmeangebot für German Naval Yards Kiel zurück, nachdem die Verhandlungen mit Eigentümer CMN Naval über die Transaktionskonditionen gescheitert waren. Der Rückzug bremst vorerst Konsolidierungspläne im deutschen Marineschiffbau, dürfte die grundsätzliche Wachstumsstory von TKMS im Kerngeschäft aber nicht in Frage stellen.

Für Anleger bündeln sich damit in den kommenden zwei Wochen mehrere Ereignisse mit Signalwirkung: die Abstimmung über tk accelis, die anschließenden Quartalszahlen und die Frage, wie sich die unterschiedlichen Analysteneinschätzungen angesichts der bevorstehenden Fakten auflösen. Mit einem Abstand von 7,59 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober bleibt für die Aktie nach oben noch Luft, sollte die Hauptversammlung wie geplant grünes Licht für die Aufspaltung geben.

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