Bei Thyssenkrupp stehen Hoffnungen auf eine Verselbstständigung des Stahlgeschäfts einer vorsichtigen Ergebniserwartung gegenüber. Die jüngste Kurszielanhebung von JPMorgan löst diesen Gegensatz nicht auf: Das höhere Ziel ging ohne Kaufempfehlung einher. Für Anleger kommt es deshalb darauf an, ob aus möglichen Strukturveränderungen und besseren Stahlpreisen auch operative Fortschritte werden.
Am 15. Oktober hob JPMorgan das Kursziel von 15 auf 17 Euro an. Die Einstufung blieb bei „Neutral“.
Analyst Dominic O’Kane sah wenig Spielraum für positive Gewinnüberraschungen bei den anstehenden Quartalszahlen europäischer Stahlhersteller. Gleichzeitig verwies er auf mögliche Stahlpreiserhöhungen und eine erwartete Gewinnbeschleunigung im vierten Quartal sowie 2027. Das ist eine Perspektive für die Branche, noch kein gemeldeter Ergebnisfortschritt bei Thyssenkrupp.
Stahlumbau trifft auf günstigeres Umfeld
Ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Umbauhoffnungen ist die Position der Krupp-Stiftung. Medienberichten zufolge bezeichnete Stiftungsvorsitzende Ursula Gather am 14. Oktober das Zeitfenster für eine baldige Verselbstständigung der Stahlsparte als günstig.
Als Gründe nannte sie Fortschritte beim Verkauf von HKM, EU-Zölle und Fortschritte bei der Direktreduktionsanlage in Duisburg. Damit stützte sie die Aussicht auf eine strukturelle Veränderung. Eine vollzogene Verselbstständigung ist diese Einschätzung allerdings nicht.
Für die Bewertung sind damit zwei unterschiedliche Ebenen auseinanderzuhalten: Der Konzernumbau betrifft die künftige Aufstellung des Stahlgeschäfts. Die von JPMorgan beschriebenen Preis- und Gewinnerwartungen betreffen dagegen dessen wirtschaftliches Umfeld. Fortschritte auf einer Ebene ersetzen keine Bestätigung auf der anderen.
Operative Schritte ergänzen die Umbauperspektive
Auch außerhalb des Stahlgeschäfts stehen konkrete Vorhaben neben den strategischen Erwartungen. Thyssenkrupp Automotive Technology eröffnete am 8. Oktober ein Entwicklungszentrum für Fahrwerkstechnologien im indischen Pune. Der Schritt betrifft den Ausbau der Entwicklung und nicht die Neuordnung der Stahlsparte.
Bei der börsennotierten Konzerntochter Thyssenkrupp Nucera kam ein weiteres Vorhaben hinzu. Sie unterzeichnete am 6. Oktober einen Mietvertrag für eine mehr als 7.500 Quadratmeter große Halle in Portugal. Dort plant sie ein Montagezentrum für Elektrolysezellen.
Diese Meldungen zeigen operative Aktivitäten in unterschiedlichen Konzernbereichen. Sie sind jedoch nicht mit bereits realisierten Ergebnisbeiträgen gleichzusetzen.
Der nächste angekündigte Berichtstermin setzt einen konkreten Prüfpunkt: Am 8. Dezember veröffentlicht Thyssenkrupp den Geschäftsbericht 2025/2026. Für Anleger liegt die entscheidende Unterscheidung bis dahin zwischen strategischen Möglichkeiten, geplanten Investitionsschritten und tatsächlich ausgewiesenen Geschäftsergebnissen.
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