Thyssenkrupp meldet aus zwei ganz unterschiedlichen Konzernbereichen Nachrichten. Während die Sparte tk accelis ihr Geschäft mit der Luftfahrtindustrie ausbaut, zieht sich die Marineeinheit TKMS aus einem Übernahmeprojekt in Kiel zurück. Die Aktie reagierte am Tag der Meldungen mit einem Rücksetzer.
Fünfjahresvertrag mit indischem Airbus-Zulieferer
tk accelis Supply Chain Solutions hat von der indischen Dynamatic Technologies einen Fünfjahresvertrag für das Türpaket des Airbus A220 erhalten. Der Auftrag umfasst Lieferkettenmanagement, Bedarfsprognosen, Bestandsführung, Lieferantenmanagement sowie Veredelungslösungen. Die Partnerschaft zwischen tk accelis und Dynamatic bestand bereits zuvor und wird mit dem neuen Vertrag vertieft. Sie erstreckt sich nach Unternehmensangaben auch auf die Zusammenarbeit mit weiteren Luftfahrtherstellern wie Boeing, Deutsche Aircraft, Bell und Lockheed Martin.
Gopi Hanumanthappa, Geschäftsführer von tk accelis India, sprach von Vertrauen und enger Zusammenarbeit als Basis der Kooperation. Toby Malhoutra, Chef von Dynamatic, betonte, solche strategischen Partnerschaften stärkten Indiens Luftfahrtindustrie insgesamt. Für Thyssenkrupp ist der Auftrag ein weiterer Baustein im Ausbau der Lieferkettendienstleistungen für die zivile und militärische Luftfahrt – ein Feld, in dem der Konzern über tk accelis zunehmend Fuß fasst.
TKMS lässt Werftübernahme in Kiel platzen
Auf der anderen Seite des Konzerns zeichnet sich ein Rückzug ab. Die Thyssenkrupp-Marinesparte TKMS hat die geplante Übernahme der Kieler Werft GNYK aufgegeben. Auslöser war das Ende des milliardenschweren Fregatten-Projekts F-126, für das die Werftkapazitäten ursprünglich vorgesehen waren. Mit TKMS‘ Absage verlor das Vorhaben offenbar auch für andere Interessenten an Attraktivität: Auch der Rüstungskonzern Rheinmetall, der im Anschluss an TKMS‘ Rückzug ins Spiel gebracht worden war, ist inzwischen ebenfalls von einer Übernahme der Werft abgerückt.
Für Thyssenkrupp bedeutet der Rückzug aus dem GNYK-Projekt, dass die Marinesparte ihre Kapazitätsplanung ohne die Kieler Werft fortsetzen muss. Das Fregatten-Programm F-126, an dem TKMS ursprünglich beteiligt war, entfällt damit als Ankerprojekt für die Werftintegration.
Kursreaktion und Einordnung
An der Börse gab die Thyssenkrupp-Aktie am Tag der Meldungen nach und notierte zuletzt bei 11,96 Euro, ein Minus von 1,77 Prozent. Der Rücksetzer fällt in ein Jahr, das für die Aktie bislang überaus positiv verlief: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 28,96 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro, das im Oktober 2025 markiert wurde, beträgt der Abstand aktuell 9,70 Prozent.
Der Tagesverlust relativiert sich damit im Kontext der starken Jahresperformance. Für Anleger bleibt die Gemengelage aus wachsendem Luftfahrtgeschäft und schrumpfenden Optionen im Marinebereich ein Beleg dafür, wie unterschiedlich sich die einzelnen Sparten des Industriekonzerns derzeit entwickeln.
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