Thyssenkrupp-Aktie: Endlich Neustart – und jetzt?

Thyssenkrupp nimmt nach sieben Monaten das Warmbandwerk 4 wieder in Betrieb. Die Aktie zeigt sich trotz struktureller Herausforderungen stark.

Auf einen Blick:
  • Wiederaufnahme des Probebetriebs nach Brand
  • Modernisierung mit neuen Hubbalkenöfen
  • Premiumstähle für E-Mobilität und Maschinenbau
  • Aktie mit 103 Prozent Plus im Jahresverlauf

Thyssenkrupp ist wieder auf Kurs: Wie die Stahlsparte am Mittwoch bekannt gab, wurde der Probebetrieb des Warmbandwerks 4 am Standort Duisburg wieder aufgenommen. Damit endet eine rund sieben Monate dauernde Zwangspause, die auf einen Brand im Oktober 2025 zurückgeht.

Thyssenkrupp-Aktie: Verpuffung zerstörte Öfen und Dachkonstruktion

Am späten Abend des 24. Oktober 2025 kam es im Ofenbereich der Anlage zu einer Verpuffung mit anschließendem Brand. Beschädigt wurden dabei vor allem die Heizöfen sowie Teile der Dachkonstruktion. In den Monaten danach wurden die betroffenen Anlagenteile vollständig instandgesetzt oder ersetzt.

Gleichzeitig nutzte Thyssenkrupp die erzwungene Stillstandzeit, um gezielte technische Modernisierungen umzusetzen – darunter zwei neue Hubbalkenöfen, die eine höhere Walzgenauigkeit und bessere Oberflächenqualität ermöglichen sollen. Die zum Anlagenkomplex gehörende Stranggießanlage war bereits Mitte Dezember 2025 wieder angelaufen.

Thyssenkrupp-Aktie: Premiumstähle für Automobil, Maschinenbau und Energiebranche

Das Warmbandwerk 4 ist auf die Herstellung warmgewalzter Flachstahlerzeugnisse in verschiedenen Güten spezialisiert – darunter höherfeste und besonders dünne Premiumstähle, die unter anderem für Karosserieteile in der Elektromobilität, für den Maschinen- und Anlagenbau sowie für Anwendungen in der Energiebranche eingesetzt werden.

Produktionsvorstand Marco Richrath bezeichnete die Wiederaufnahme als wichtigen Baustein für die Stabilität des gesamten Produktionsverbunds und lobte die Teamleistung, die hinter dem zügigen Wiederanlauf stecke.

Thyssenkrupp-Aktie: Stahlsparte in der Krise – Aktie trotzdem stark

Die Meldung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Thyssenkrupp Steel unter erheblichem Druck steht: Der Konzern kämpft mit strukturellen Überkapazitäten in der europäischen Stahlindustrie, sinkender Nachfrage aus der Automobilbranche und dem laufenden Umbau hin zu grünem Stahl. Die Rückkehr des Werks in den Betrieb ist ein operativer Fortschritt – löst aber die grundlegenden strukturellen Herausforderungen des Konzerns nicht.

Die Thyssenkrupp-Aktie lief zuletzt dennoch recht gut und konnte die im Februar und März erlittenen Verluste inzwischen wieder kompensieren. Auf 1-Jahres-Sicht steht der deutsche Industrie-Titel gar mit rund 103 % im Plus (Stand: 03.06.2026, 10:30 Uhr).

Hintergrund der erfreulichen Kursentwicklung sind unter anderem der erfolgreiche Börsengang der U-Boot-Tochter TKMS, die Hoffnung auf eine profitable Umstrukturierung sowie regulatorische Unterstützung vonseiten der EU bezüglich der Stahl-Schutzzölle. Zudem profitiert die Aktie vom allgemein steigenden Interesse der Börse an Substanz-, Industrie- und Rohstoffwerten.

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