Die DZ Bank hat ihre Einschätzung zu Thyssenkrupp am Freitag von „Hold“ auf „Buy“ angehoben und das Kursziel deutlich von 11,00 Euro auf 16,00 Euro erhöht. Die Hochstufung folgt auf eine Reihe positiver Nachrichten aus dem Konzernumfeld, die trotz schwacher Quartalszahlen für Rückenwind sorgen.
Erst tags zuvor hatte bereits BofA Securities ihr Kursziel für die Aktie von 19,00 Euro auf 22,00 Euro angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Der Stahlkonzern befindet sich damit im Fokus mehrerer Analystenhäuser, die trotz operativer Schwäche im dritten Quartal auf strukturelle Verbesserungen setzen.
Schwache Zahlen, aber strategischer Fortschritt
Thyssenkrupp hatte am 13. August die Ergebnisse für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 vorgelegt und dabei die Markterwartungen beim Ergebnis deutlich verfehlt. Die Deutsche Bank bestätigte im Nachgang dennoch ihre Kaufempfehlung, während JP Morgan bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 15,00 Euro verharrte.
BofA Securities begründete ihren Optimismus trotz des operativen Fehlschlags mit der geplanten Abspaltung der Sparte Materials Services sowie verbesserten Stahlmargen-Aussichten durch neue EU-Zollquoten.
Der Kursverlauf spiegelt diese ambivalente Gemengelage wider: Am Dienstag schloss die Aktie bei 13,74 Euro, ein Plus von 1,1 Prozent zum Vortag, und liegt damit nur noch 2,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat das Papier 47 Prozent zugelegt – ein Zeichen dafür, dass Anleger die strategische Neuausrichtung des Konzerns stärker gewichten als die kurzfristige Ergebnisschwäche.
Rüstungssparte als Wachstumstreiber
Besonders positiv sticht die Marine-Sparte hervor. TKMS, an der Thyssenkrupp weiterhin 51 Prozent hält, hob am 12. August ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2025/26 kräftig an: Statt der bisher erwarteten 2 bis 5 Prozent rechnet das Unternehmen nun mit einem Wachstum von 10 bis 12 Prozent.
Die bereinigte EBIT-Marge soll bis zu 6,5 Prozent erreichen. Als Treiber nennt TKMS eine verstärkte Nachfrage im Rüstungssektor, die unter anderem mit dem Iran-Krieg in Verbindung gebracht wird.
TKMS war im Oktober 2025 im Rahmen eines Börsengangs verselbstständigt worden und wurde im Dezember in den MDAX aufgenommen. Für die Thyssenkrupp-Aktien an der ehemaligen Tochter gilt weiterhin eine Sperrfrist, die im Oktober endet.
Wasserstoff-Tochter bleibt schwach
Ein Kontrastpunkt kommt von der Wasserstoff-Tochter Thyssenkrupp Nucera. Sie meldete für das dritte Quartal 2025/26 einen Umsatz von 145 Millionen Euro bei einem negativen EBIT von 2 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern lag bei null. Während die Marine-Sparte also als Wachstumsmotor auftritt, bleibt die Wasserstoff-Sparte ein Belastungsfaktor im Konzerngefüge.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ hakt es im Kerngeschäft, doch die strategische Neuaufstellung – von der Marine-Abspaltung bis zur geplanten Trennung von Materials Services – überzeugt zunehmend mehr Analysten. Die jüngsten Kurszielanhebungen von DZ Bank und BofA Securities deuten darauf hin, dass der Markt diese Transformation stärker honoriert als die kurzfristigen Ergebniszahlen.
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