Thyssenkrupp Aktie: Dritte Tochter jetzt separat notiert

Symbolbild, KI-generiert

Die Abspaltung verändert Thyssenkrupps Konzernstruktur; tk accelis muss die angestrebte höhere Profitabilität erst erreichen.

Auf einen Blick:
  • Thyssenkrupp behält 51 Prozent
  • Bereinigte EBITDA-Marge lag bei zwei Prozent
  • Mittelfristiges Margenziel: vier bis fünf Prozent
  • Deutsche Bank senkt Kursziel auf 17 Euro

Ein Börsengang schafft einen eigenen Kurszettel, aber noch keine bessere Marge. Genau darin liegt für mich die entscheidende Frage bei Thyssenkrupp: Die vollzogene Abspaltung von tk accelis bringt den geplanten Holdingumbau voran.

Ihren wirtschaftlichen Wert muss die neue Struktur jedoch erst beweisen. Dass Deutsche Bank Research heute das Bewertungsmodell anpasst und die Kaufempfehlung bestätigt, ist deshalb keine Erfolgsmeldung über das operative Geschäft. Es ist zunächst eine Neubewertung der veränderten Konzernstruktur.

Eigenständig notiert, weiter mehrheitlich gebunden

Thyssenkrupp hat 49 % von tk accelis abgespalten und behält 51 %. Aktionäre erhalten für jeweils 20 Thyssenkrupp-Aktien eine Aktie der Werkstofftochter. Damit verändert sich nicht nur die Organisation des Konzerns, sondern auch die Zusammensetzung ihrer Beteiligungen.

Die Mutter bleibt zugleich Mehrheitsaktionärin. Für mich ist das der entscheidende Unterschied zwischen einer vollständigen Trennung und diesem Umbau: Thyssenkrupp schafft eine eigenständige Börsennotierung, ohne die Mehrheit aufzugeben. Der Erfolg der Tochter bleibt damit auch für die Mutter relevant. Eigenständigkeit am Kapitalmarkt und fortbestehende Konzernbindung schließen einander hier nicht aus.

Nach Nucera und TKMS ist tk accelis die dritte separat notierte Konzerntochter. Thyssenkrupp strebt mittelfristig eine Finanzholding an. Das ist mehr als eine neue Verpackung, sofern die einzelnen Unternehmen die versprochenen operativen Verbesserungen tatsächlich erreichen. Der Börsenzettel allein liefert dafür noch keinen Beleg.

Zur Verselbstständigung gehört auch eine eigenständige, durch Vermögenswerte besicherte Finanzierung. Linklaters hat Thyssenkrupp bei der Transaktion und dieser Finanzierung beraten. Der Umbau reicht damit über die bloße Verteilung neuer Aktien hinaus.

Der eigentliche Test liegt im Geschäft

Bei tk accelis lässt sich die operative Aufgabe konkret benennen. Im Geschäftsjahr 2024/25 betrug die bereinigte EBITDA-Marge 2 %. Mittelfristig strebt das Management 4–5 % an. Zwischen erreichtem Ergebnis und Ziel liegt also eine erhebliche Verbesserung, die nicht mit der Börsennotierung erledigt ist.

Deutsche-Bank-Analyst Lars Vom-Cleff beschreibt die Anlagethese als Wechsel vom Metallhandel zu profitablerem Komplettservice. Die Tochter soll als Plattform zwischen Werkstoffproduzenten und Industriekunden stehen. Das ist der strukturelle Gedanke hinter der Abspaltung: Nicht allein Materialien weiterreichen, sondern zusätzliche Dienstleistungen wirtschaftlich nutzbar machen.

Das Management plant außerdem ein jährliches Umsatzwachstum von über 4 %. Dieses Ziel bleibt eine Absicht, keine bereits erzielte Leistung. Für Thyssenkrupp-Aktionäre zählt deshalb künftig nicht nur die Größe des Geschäfts, sondern vor allem dessen Ertragskraft.

Auch Berenberg verbindet die Abspaltung mit einer operativen Erwartung. Analyst Robert-Jan van der Horst sieht darin die Chance, Konzernnachteile zu beseitigen und Profitabilität gegenüber Absatzvolumen zu priorisieren. Diese These ist nachvollziehbar. Sie verlangt allerdings mehr als organisatorische Selbstständigkeit: Das Geschäft muss die bessere Struktur in bessere Ergebnisse übersetzen.

Die Holding ist ein Werkzeug

Für Thyssenkrupp selbst senkt Deutsche Bank Research das Kursziel von 18 auf 17 Euro und bestätigt die Einstufung „Buy“. Analyst Bastian Synagowitz begründet die Anpassung mit der vollzogenen Abspaltung. Das niedrigere Ziel ist damit ausdrücklich an die veränderte Bewertungsgrundlage geknüpft.

Die positive Empfehlung ersetzt jedoch ebenso wenig den operativen Nachweis wie die neue Börsennotierung. Der Holdingumbau macht einzelne Beteiligungen separat bewertbar. Er nimmt ihnen nicht die Aufgabe ab, Wachstum und Profitabilität zu liefern.

Für die Stahlsparte erwägt Thyssenkrupp ebenfalls einen Börsengang. Damit könnte sich das Prinzip fortsetzen. Mein Maßstab bleibt aber derselbe: Eine Finanzholding ist kein Geschäftsmodell zur automatischen Wertsteigerung, sondern eine Organisationsform.

Entscheidend wird sein, ob ihre Beteiligungen unter dieser Struktur wirtschaftlich mehr erreichen. Bei tk accelis sind die Ziele formuliert. Jetzt beginnt der Teil des Umbaus, den kein zusätzlicher Kurszettel ersetzen kann.

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