Thyssenkrupp bleibt im Fokus der Analysten. Innerhalb weniger Tage haben gleich drei Häuser ihre Kursziele für den Ruhrkonzern angehoben und damit die Aufwärtsdynamik der Aktie bestätigt. Am Donnerstag hob die Bank of America ihr Kursziel auf 22 Euro von zuvor 19 Euro an und bekräftigte die Kaufempfehlung.
Am Freitag zog die DZ Bank nach: Sie stufte die Aktie von Halten auf Kaufen hoch und erhöhte den fairen Wert deutlich von 11 auf 16 Euro. Auch Citigroup erhöhte am selben Tag ihr Kursziel auf 20 Euro und beließ die Einstufung bei Kaufen.
Rohstoff-Rückenwind treibt den Kurs
Verstärkt wurde die positive Stimmung am Freitag durch einen China- und Rohstoff-Impuls, von dem Thyssenkrupp in der Marktwahrnehmung als Profiteur galt. Der Kurs reagierte am Berichtstag deutlich positiv, wenngleich der Schlusskurs am Freitag bei 14,67 Euro und damit 1,2 Prozent leichter aus dem Handel ging.
Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 9,2 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass die grundsätzliche Richtung der Aktie trotz einzelner Rücksetzer nach oben zeigt.
Die neuen Kursziele fallen in eine Phase, in der der Konzern seine strategische Neuaufstellung bereits vor gut drei Wochen mit der Abspaltung von tk accelis vorangetrieben hat – seither hat die Aktie um 16,8 Prozent zugelegt.
Auch die vor rund zwei Wochen vorgelegten Quartalszahlen mit gestiegenem Umsatz und verbessertem bereinigtem EBIT hatten dem Kurs Auftrieb gegeben, der seither um 10,0 Prozent gestiegen ist.
Beide Ereignisse liefern den Analysten nun die Blaupause für ihre optimistischeren Einschätzungen: Die operative Verbesserung in Kombination mit der schlankeren Konzernstruktur gilt als Beleg dafür, dass die Neuausrichtung greift.
Unterschiedliche Lager bei den Analysten
Nicht alle Häuser ziehen dieselben Schlüsse. Während die Deutsche Bank und Jefferies bereits vor der jüngsten Kurszielwelle bei ihren Kaufempfehlungen geblieben waren, hatte JPMorgan sein neutrales Rating bestätigt – ein Hinweis darauf, dass die Bewertung der Aktie nach dem kräftigen Kursanstieg unter den Analysten durchaus unterschiedlich beurteilt wird.
Die Spanne der jüngsten Kursziele von 16 bis 22 Euro zeigt, dass selbst unter den optimistischeren Häusern noch keine Einigkeit über das faire Niveau herrscht.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite stehen die operative Verbesserung, die Fortschritte bei der Konzernentflechtung und die frische Analystenunterstützung.
Auf der anderen Seite belasten ungelöste Fragen wie die Finanzierung des milliardenschweren Projekts für ein grünes Stahlwerk, über die laut Reuters zuletzt fortgeschrittene Gespräche liefen, sowie die gesenkte Prognose bei der Tochter Thyssenkrupp Nucera nach dem Ausstieg aus den SOEC-Stack-Plänen.
Die Kombination aus struktureller Neuausrichtung und volatilem Branchenumfeld dürfte die Aktie damit vorerst schwankungsanfällig halten – auch wenn die jüngste Serie an Kurszielanhebungen ein deutliches Vertrauenssignal aus der Analystengemeinde sendet.
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