Ein neues Kursziel von 18 Euro sorgt heute für Gesprächsstoff bei Thyssenkrupp. Die Anhebung fällt in eine Phase, in der die Aktie ohnehin schon zu den auffälligsten Werten des Jahres zählt – und lenkt den Blick auf den anstehenden Kapitalmarkttag am 28. September, bei dem der Konzern seine Strategie weiter schärfen dürfte.
Die Aktie notiert aktuell bei 15,39 Euro und gibt damit heute leicht um 0,4 Prozent nach. Über die vergangenen sieben Handelstage hat das Papier dennoch 9,9 Prozent zugelegt – ein Tempo, das die neue Zielmarke der Analysten nicht abwegig erscheinen lässt, selbst wenn der Abstand zum bisherigen 52-Wochen-Hoch nur noch gering ist.
Stahlsparte bleibt Belastungsfaktor
Während die Aktie an der Börse Auftrieb erhält, kämpft das operative Geschäft mit strukturellen Problemen. Die deutsche Rohstahlproduktion sank im Juli im Jahresvergleich um 2 Prozent auf 2,7 Millionen Tonnen, wenngleich sie von Januar bis Juli noch um 7 Prozent über dem Vorjahreszeitraum lag.
Bei der Tochter Thyssenkrupp Steel Europe steht ein weitreichender Stellenabbau im Raum: Bis zu 11.000 der derzeit 26.000 Arbeitsplätze könnten wegfallen. Diese Zahl verdeutlicht, wie tief der Umbau der Stahlsparte greift, während der Konzern gleichzeitig versucht, neue Wachstumsfelder zu erschließen.
Ein Beispiel dafür liefert die Wasserstoffstrategie: Für die geplante wasserstoffbasierte Direktreduktionsanlage in Duisburg begleitet das Unternehmen Drees & Sommer den Bau. Die Anlage soll eine Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen direktreduziertem Eisen erreichen und jährliche CO2-Einsparungen von bis zu 3,5 Millionen Tonnen ermöglichen.
Bund und Land Nordrhein-Westfalen fördern das Projekt mit 2 Milliarden Euro – eine Summe, die zeigt, wie stark der grüne Umbau der Stahlproduktion auf staatliche Unterstützung angewiesen bleibt.
Konzern zwischen Zukunftsinvestition und Kostendruck
Der Spagat zwischen milliardenschweren Zukunftsinvestitionen und dem Sparzwang in der klassischen Stahlproduktion prägt derzeit das Bild von Thyssenkrupp. Anleger honorieren offenbar die langfristige Perspektive rund um Wasserstoff und Direktreduktion, während die kurzfristigen Belastungen durch Überkapazitäten und internationalen Wettbewerbsdruck im Stahlgeschäft bestehen bleiben.
Mit Blick auf den Kapitalmarkttag Ende September dürfte sich zeigen, wie der Konzern diese beiden Entwicklungsstränge zusammenführen will. Die aktuelle Kursziel-Anhebung auf 18 Euro signalisiert zumindest, dass Teile der Analystengemeinde der eingeschlagenen Strategie mehr zutrauen, als es der operative Alltag in der Stahlsparte auf den ersten Blick vermuten lässt.
Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt derzeit bei 9,47 Milliarden Euro – ein Wert, der die gestiegenen Erwartungen der vergangenen Monate bereits teilweise widerspiegelt.
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