Thyssenkrupp hat am Freitag ein neues Mehrjahreshoch markiert und damit die Konsolidierung der vergangenen Wochen nach oben verlassen. Auslöser war weniger eine einzelne Meldung als die Summe mehrerer strategischer Fortschritte, die in den vergangenen Tagen zusammenkamen.
Im Zentrum steht die außerordentliche Hauptversammlung vom 7. August, auf der die Aktionäre der Verselbstständigung der Sparte tk accelis zugestimmt haben. Der Schritt gilt als eines der zentralen Elemente der laufenden Konzernumstrukturierung, mit der Thyssenkrupp seine Einzelsparten stärker eigenständig am Kapitalmarkt positionieren will.
Für Anleger ist die Abstimmung deshalb mehr als eine formale Hürde: Sie schafft die Grundlage dafür, dass die Neuausrichtung tatsächlich umgesetzt wird, statt Ankündigung zu bleiben.
Konzernumbau nimmt Konturen an
Parallel zur Entscheidung über tk accelis bestätigte Thyssenkrupp am selben Tag die Fortschritte im operativen Geschäft. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 meldete der Konzern steigende Umsätze und ein höheres bereinigtes EBIT.
Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde zugleich präzisiert: Beim Umsatz rechnet Thyssenkrupp nun mit einem Rückgang von 1 bis 3 Prozent, nachdem zuvor eine Spanne von 0 bis minus 3 Prozent im Raum stand.
Beim freien Cashflow vor Übernahmen erwartet der Konzern weiterhin einen negativen Wert zwischen 300 und 600 Millionen Euro. Die Erwartungen für bereinigtes EBIT und Jahresüberschuss wurden nach oben eingeengt.
Diese Kombination aus operativer Stabilisierung und sichtbarem Fortschritt beim Konzernumbau dürfte die Aktie zuletzt gestützt haben. Hinzu kommen Berichte über fortgeschrittene Gespräche zur Anpassung der Finanzierung des mit 3 Milliarden Euro veranschlagten Projekts für ein grünes Stahlwerk – ein Thema, das für die Bewertung des Stahlgeschäfts von Bedeutung bleibt, da eine tragfähige Finanzierungslösung Unsicherheit aus der Bilanz nimmt.
Kursverlauf spiegelt die Neubewertung
Der Aktienkurs hat diese Entwicklungen deutlich nachvollzogen. Am Freitag schloss das Papier bei 14,67 Euro, nach einem Rücksetzer von 1,2 Prozent im Tagesverlauf. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Zugewinn auf 7,9 Prozent, was die zuletzt spürbare Dynamik unterstreicht. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 15,18 Euro, erreicht am 28. August, fehlen dem Kurs derzeit noch 3,4 Prozent.
Nicht ganz ins Bild passt die Entwicklung bei der Tochter Thyssenkrupp Nucera: Dort senkte das Unternehmen Anfang August die Prognose für das Geschäftsjahr 2026, nachdem die Pläne für die SOEC-Stack-Produktion gestoppt wurden. Der Rückschlag bei Nucera bleibt bislang aber ein Nebenschauplatz, der die positive Grundstimmung rund um den Mutterkonzern nicht überschattet hat.
Ausblick
Für Anleger bleibt entscheidend, wie zügig sich die Verselbstständigung von tk accelis nach der erteilten Zustimmung nun operativ umsetzen lässt und ob die Finanzierungsgespräche zum grünen Stahlwerk zu einem tragfähigen Ergebnis führen. Beide Themen dürften in den kommenden Wochen die weitere Kursentwicklung stärker prägen als kurzfristige Quartalszahlen.
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