Thyssenkrupp verschärft das Tempo seines Konzernumbaus. Nach der Abspaltung der Marinesparte steht nun die nächste Eigenständigkeit an: Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 7. August genehmigten die Aktionäre die Abspaltung von tk accelis, der früheren Sparte Materials Services.
Thyssenkrupp behält 51 Prozent der neuen Einheit, die übrigen 49 Prozent gehen an die bestehenden Aktionäre. Bereits am 20. Juli hatte tk accelis auf einem eigenen Kapitalmarkttag Strategie und Ziele für die Zeit als eigenständiges Unternehmen vorgestellt.
Der Schritt reiht sich in eine Serie von Entflechtungen ein, mit denen Vorstandschef Miguel López den einst monolithischen Ruhrkonzern in handhabbare Einheiten zerlegt. Parallel dazu bereitet Thyssenkrupp die nächste, noch größere Zäsur vor: Für den 28. September ist ein Kapitalmarkttag für die Stahlsparte angesetzt.
Reuters ordnete diesen Termin als wichtigen Meilenstein im laufenden Umbau ein und verwies in einem separaten Bericht auf Parallelen zur Strategie von Siemens Energy, die ebenfalls einen Großteil ihrer Industrie-Sparte verkaufen will.
Zahlen stützen den Kurs des Umbaus
Untermauert wird die Strategie durch operative Fortschritte. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 steigerte der Konzern sowohl Umsatz als auch bereinigtes EBIT und verwies dabei ausdrücklich auf bereits umgesetzte zentrale Schritte der Neuaufstellung.
Für Anleger ist das mehr als eine Randnotiz: Die Aufspaltung in eigenständige Einheiten soll nicht nur Komplexität reduzieren, sondern auch Werte heben, die im Konzernverbund bislang verdeckt blieben.
Die Aktie honoriert diesen Kurs. Sie steht aktuell bei 14,05 Euro und hat sich seit Jahresbeginn um 51 Prozent verteuert – ein Ausmaß, das den fundamentalen Wandel des Unternehmens widerspiegelt. Zugleich zeigt der Rücksetzer um 2,1 Prozent am heutigen Handelstag, dass die Bewertung nach der starken Rally sensibel auf Gewinnmitnahmen reagiert.
Dekarbonisierung als zweite Säule
Neben der Konzernstruktur treibt Thyssenkrupp auch die technologische Erneuerung seines Kerngeschäfts voran. Am 18. August würdigte der Konzern das zehnjährige Bestehen von Carbon2Chem®, einem Forschungs- und Dekarbonisierungsprojekt, das die Umwandlung von Hüttengasen in Chemierohstoffe erforscht.
Solche Initiativen sind Teil der langfristigen Erzählung, mit der Thyssenkrupp seine Stahlsparte auf eine wasserstoffbasierte Zukunft vorbereiten will – ein Thema, das auf dem anstehenden Kapitalmarkttag im September im Zentrum stehen dürfte.
Der Konzern befindet sich damit an einem Scheideweg: Die Abspaltungen von tk accelis und der bevorstehende Fokus auf die Stahlsparte markieren den vorläufigen Höhepunkt eines mehrjährigen Umbauprozesses. Ob die neu geschaffenen Einheiten am Kapitalmarkt eigenständig überzeugen können, wird sich in den kommenden Wochen zeigen – der Termin Ende September dürfte dafür richtungsweisend sein.
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