Der erste Handelstag nach der Abspaltung von TK Accelis zeigt, wie der Markt die Aufteilung bewertet. Thyssenkrupp notiert vorbörslich bei rund 13 Euro, etwa 11 Prozent unter dem gestrigen Schlusskurs von 14,68 Euro. Der Abschlag fällt kleiner aus als erwartet.
Was der Abschlag über Accelis verrät
Aktionäre erhalten je 20 Thyssenkrupp-Aktien eine Accelis-Aktie. Der Werkstoffhändler startet heute im Prime Standard der Frankfurter Börse. Vorbörslich fehlen bei Thyssenkrupp 1,68 Euro, hochgerechnet ergibt das einen rechnerischen Wert von 33,60 Euro je Accelis-Aktie.
Jefferies-Analyst Tommaso Castello hatte den Wert der Zuteilung auf 2,20 bis 3,10 Euro je Thyssenkrupp-Aktie geschätzt. Das entspräche 44 bis 62 Euro je Accelis-Aktie. Der Vorbörsenkurs liegt darunter.
Dafür gibt es zwei Lesarten. Entweder traut der Markt Accelis weniger zu, oder der verbleibende Konzern wird höher bewertet. Trennen lässt sich das erst, wenn Accelis einen eigenen Kurs hat.
Marge und Indexeffekte bestimmen den Start
Entscheidend bleibt die Profitabilität. Der Werkstoffhandel ist mit 11,4 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2024/2025 die größte Sparte des Konzerns. Die bereinigte EBITDA-Marge lag jedoch nur bei zwei Prozent, mittelfristig peilt das Management vier bis fünf Prozent an. Wer kauft, setzt auf dieses noch unbelegte Versprechen.
Hinzu kommt Technik. Accelis zieht für genau einen Handelstag in den MDAX ein, der Index zählt vorübergehend 51 Werte. Nach Xetra-Schluss fliegt die Aktie wieder heraus, Indexfonds müssen ihre Stücke abgeben. Bei der Marinetochter TKMS lief es im Oktober 2025 ähnlich. Auch Privatanleger könnten ihre kleinen Zuteilungen verkaufen. Beides kann den Kurs drücken, ohne dass sich am Geschäft etwas ändert.
Thyssenkrupp behält 51 Prozent an Accelis und konsolidiert die Sparte weiter voll. Marktbeobachter sehen den Konzern mit dem Schritt auf dem Weg in Richtung Finanzholding.
Charttechnik mit Fragezeichen
Die Aktie liegt vorbörslich leicht unter der 100-Tage-Linie bei 13,06 Euro. Die 50-Tage-Linie bei 14,35 Euro bildet den nächsten Widerstand, die 200-Tage-Linie bei 11,52 Euro die Unterstützung darunter.
Allerdings enthalten alle Durchschnitte noch Kurse inklusive Accelis-Anteil. Bereinigen Datenanbieter ihre Historie, dürften die Marken in den nächsten Tagen nach unten rutschen.
Am 4. November geht Thyssenkrupp auf Roadshow nach London. Am 8. Dezember folgt der Geschäftsbericht 2025/2026.
Thyssenkrupp-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Thyssenkrupp-Analyse vom 28. Oktober liefert die Antwort:
Die neusten Thyssenkrupp-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Thyssenkrupp-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. Oktober erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
