Bank of America hat am heutigen Montag das Kursziel für Thyssenkrupp von 19 auf 22 Euro angehoben. Die Investmentbank begründet den Schritt mit einer glaubwürdigen Perspektive auf höhere Profitabilität durch die laufenden Restrukturierungen sowie die geplante Teil-Abspaltung des Stahlgeschäfts. Die Aktie legt am Vormittag um 1,2 Prozent auf 13,61 Euro zu, nach einem Schlusskurs von 13,44 Euro am Freitag.
Mehrere Häuser sehen deutlich mehr Potenzial
Bank of America ist mit ihrer optimistischeren Sicht nicht allein. Bereits am Freitag hatte die DZ Bank ihre Einstufung von „Halten“ auf „Kaufen“ angehoben und den fairen Wert von 11 auf 16 Euro korrigiert. Analyst Dirk Schlamp verwies dabei auf den voranschreitenden Konzernumbau sowie auf die Bewertung der Beteiligungen an der Marinesparte TKMS und an TK Elevator.
Am selben Tag zog Citigroup nach: Analyst Ephrem Ravi erhöhte sein Kursziel von 15 auf 20 Euro und bestätigte die „Buy“-Empfehlung. Er begründete dies mit Nachholbedarf bei der Bewertung und den reichlich vorhandenen Finanzmitteln des Konzerns.
Die Serie an Kurszielanhebungen fällt in eine Phase, in der Thyssenkrupp seinen Konzernumbau konkret vorantreibt. Ein wichtiger Baustein ist die Stahlsparte, für die Bank of America bereits am Donnerstag ein EBITDA-Potenzial von bis zu 1,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatte – im Vorfeld eines für Ende September geplanten Kapitalmarkttags.
Quartalszahlen mit gemischtem Bild
Die operative Entwicklung liefert dafür bereits erste Anhaltspunkte. Am 13. August hatte Thyssenkrupp seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vorgelegt: Das bereinigte EBIT stieg um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro, verfehlte damit aber die Analystenschätzung von 207 Millionen Euro.
Der Umsatz wuchs im selben Zeitraum um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Trotz der verpassten Erwartung hob der Konzern das untere Ende seiner Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 an – gestützt durch Kosteneinsparungen und eine positive Entwicklung in den Sparten Stahl, Marine und Werkstoffhandel.
Abspaltung von tk accelis nimmt Form an
Parallel zu den operativen Fortschritten schreitet die strukturelle Neuaufstellung voran. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Aktionäre am 10. August mit 99,99 Prozent der Stimmen der Abspaltung der Werkstoffsparte „tk accelis“ zu.
Thyssenkrupp-Aktionäre sollen für je 20 Aktien einen Anteilsschein des neuen Unternehmens erhalten, das bis Ende Oktober separat an die Börse gehen soll. Das Management bestätigte zugleich, auch nach dem Börsengang eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent sowohl an tk accelis als auch an der Marinesparte TKMS zu behalten.
Die Aktie hat diese Entwicklung bereits honoriert: Binnen 30 Tagen kletterte der Kurs um 11 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 46 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,05 Euro trennen das Papier nur noch 3,2 Prozent.
Ein technischer Analysedienst stufte die Aktie in der vergangenen Woche zudem von „Hold“ auf „Buy Candidate“ hoch – ein Hinweis, dem angesichts der fundamentalen Nachrichtenlage aber nur nachgeordnete Bedeutung zukommt.
Der für Ende September angesetzte Kapitalmarkttag zur Stahlsparte dürfte zeigen, ob sich die optimistischen Kurszielanhebungen der Analysten in den operativen Zahlen bestätigen lassen.
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