Europas Stahlriesen schlagen Alarm. Thyssenkrupp, ArcelorMittal und voestalpine fordern eine sofortige Pause bei den CO₂-Kosten. Die bisherigen EU-Regeln gefährden den Umbau zu einer klimafreundlichen Produktion.
Angst vor der Kostenexplosion
Die drei Konzerne stehen zusammen für rund 60 Prozent der europäischen Stahlproduktion. Am Mittwoch veröffentlichten sie einen gemeinsamen Appell. Sie verlangen eine pragmatische Reform des EU-Emissionshandels. Die EU soll die steigenden Zertifikate-Preise vorübergehend einfrieren.
Das Ziel: Zeit gewinnen. Die Industrie braucht wettbewerbsfähige Strompreise und bezahlbaren grünen Wasserstoff. Erst dann rechnet sich die Dekarbonisierung. Bisher fehlen diese Voraussetzungen.
Die Warnung der Unternehmen fällt drastisch aus. Bis Anfang der 2030er Jahre könnten die Produktionskosten für Stahl um rund 50 Prozent steigen. Die Folge wäre ein massiver Einbruch der heimischen Wertschöpfung.
Importe verzerren den Markt
Ohne eine Reform erwarten die Hersteller einen starken Rückgang der stahlintensiven Fertigung. Diese könnte in der EU um 30 bis 40 Prozent schrumpfen. Entlang der Lieferkette stehen damit bis zu 5 Millionen Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Zusätzlich kritisieren die Konzerne ungleiche Wettbewerbsbedingungen. Ausländische Importe tragen nicht dieselben CO₂-Kosten. Parallel dazu erhalten europäische Exporte keinen Ausgleich für ihre Klimabemühungen. Die Einnahmen aus dem Emissionshandel sollen stattdessen direkt in den industriellen Umbau fließen.
Aktie im Abwärtssog
Am Aktienmarkt reagieren Investoren nervös. Die Thyssenkrupp-Aktie verliert am Donnerstag 3,49 Prozent und fällt auf 10,65 Euro. Damit setzt sich der negative Trend der vergangenen Tage fort. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,10 Prozent.
Der aktuelle Kursrutsch liegt nicht nur an der Klimadebatte. Bereits am Mittwoch nahmen Anleger Gewinne mit. Zuvor hatte der Konzern einen weiteren Schritt zur Abspaltung der Stahlsparte angekündigt. Dennoch bleibt die Aktie im mittelfristigen Aufwärtstrend.
Der Kurs hält sich aktuell über dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,31 Euro. Der Abstand zum Jahreshoch bei 13,24 Euro verdeutlicht jedoch die anhaltende Skepsis der Märkte.
Für Thyssenkrupp bleibt die Finanzierung der neuen Direktreduktionsanlage in Duisburg die größte Baustelle. Ohne politische Zugeständnisse beim Emissionshandel droht der teure Umbau die Profitabilität des Konzerns massiv zu belasten.
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