Thyssenkrupp-Anleger erleben einen scharfen Rücksetzer: Die Aktie fällt heute um 4,6 Prozent auf 13,22 Euro, nachdem sie am Vortag noch bei 13,87 Euro geschlossen hatte. Der Rückgang folgt auf eine kräftige Rally – binnen sieben Handelstagen hatte das Papier zuvor rund 10 Prozent zugelegt. Der Grund für die Korrektur liegt in der Wasserstofftochter Nucera, deren Belastungen erst jetzt vollständig im Kurs verarbeitet werden.
Nucera zieht die Notbremse bei SOEC-Technologie
Thyssenkrupp Nucera hatte am 11. und 12. August den Ausstieg aus der Massenfertigung von SOEC-Stacks verkündet, einer Wasserstoff-Elektrolysetechnologie. Der Schritt bringt eine Einmalbelastung von rund 30 Millionen Euro EBIT durch Wertberichtigungen auf Pilotanlage und Entwicklungskosten mit sich.
Nucera musste daraufhin die EBIT-Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 deutlich verschärfen: Statt eines erwarteten Verlusts zwischen 80 und 30 Millionen Euro rechnet die Tochter nun mit einem Fehlbetrag zwischen 105 und 75 Millionen Euro.
Auch der Umsatz im Segment Grüner Wasserstoff wurde nach unten korrigiert, auf eine Spanne von 100 bis 130 Millionen Euro statt zuvor 120 bis 170 Millionen Euro.
Diese Nachricht wirkte zunächst nicht sofort auf den Kurs der Konzernmutter, verzögert schlägt sie nun aber sichtbar durch – gerade weil sich der Gesamtkonzern zuletzt in deutlich besserer Verfassung präsentiert hatte.
Konzernzahlen und Rüstungssparte liefern Gegengewicht
Am 13. August hatte Thyssenkrupp seine Quartalszahlen für das dritte Geschäftsquartal 2025/26 vorgelegt und dabei die Untergrenze der bereinigten EBIT-Prognose für das laufende Geschäftsjahr von 500 auf 600 Millionen Euro angehoben.
Die Aktie reagierte darauf mit einem Kurssprung von 4,6 Prozent auf 12,975 Euro. Zusätzlichen Rückenwind lieferte die Rüstungstochter TKMS, die am 11. August ihre Prognose anhob und für die Marine-Sparte deutlich stärkeres Wachstum in Aussicht stellte.
Der Konzern zeigte sich zudem operativ robust: Trotz Niedrigwassers, das die Binnenschifffahrt und damit Materiallogistik erschwert, hielt Thyssenkrupp am 13. August die Produktion aufrecht.
Strukturelle Weichenstellung bleibt im Hintergrund
Vor rund zwei Wochen hatten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Abspaltung der Werkstoffhandelssparte tk accelis zugestimmt, im Verhältnis 1:20. Der Handelsregistereintrag ist bis Ende August geplant, die Rechtswirksamkeit soll Ende Oktober folgen.
Seit der Zustimmung hat die Aktie um 5,4 Prozent zugelegt – dieses Thema ist als unmittelbarer Kurstreiber inzwischen jedoch abgearbeitet und tritt hinter die aktuelle Gemengelage aus Nucera-Belastung und Konzernstärke zurück.
Einordnung für Anleger
Trotz des heutigen Rücksetzers bleibt die Aktie mit einem Plus von 42 Prozent seit Jahresanfang und 54 Prozent auf Zwölfmonatssicht in einem starken Aufwärtstrend. Der aktuelle Kurs liegt noch immer 13 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,75 Euro, was auf eine technische Überhitzung nach dem jüngsten Lauf hindeutet.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,05 Euro, erst am 17. August markiert, trennen die Aktie nun knapp 6 Prozent. Der heutige Tag zeigt damit vor allem eines: Die Wasserstoffsparte bleibt ein Unsicherheitsfaktor, während Stahl, Marine und der Konzernumbau die Kursfantasie insgesamt weiter tragen.
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