Nach Wochen der Euphorie kommt jetzt der Dämpfer. Die Thyssenkrupp-Aktie verliert am Donnerstag 3,9 Prozent und fällt auf 12,60 Euro. Erst vor drei Tagen hatte das Papier bei 14,05 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch markiert.
Der Rücksetzer wirkt heftig, relativiert sich aber im größeren Bild. Auf Monatssicht steht die Aktie noch immer 4,1 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um rund 35 Prozent verteuert. Nach einer derart kräftigen Rallye ist es kein Wunder, dass viele Anleger jetzt Gewinne mitnehmen.
Zahlen im Rahmen, aber unter den Erwartungen
Am 13. August legte Thyssenkrupp die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2025/2026 vor. Der Gruppenumsatz stieg um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT kletterte auf 183 Millionen Euro, nach 155 Millionen Euro im Vorjahr.
Analysten hatten allerdings mehr erwartet. Im Durchschnitt lag die Schätzung bei 207 Millionen Euro operativem Gewinn. Nach Steuern schaffte der Konzern trotzdem den Sprung zurück in die Gewinnzone: 34 Millionen Euro standen unter dem Strich, nach einem Verlust von 255 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Beim Ausblick wurde der Konzern konkreter. Das bereinigte EBIT soll nun zwischen 600 und 900 Millionen Euro liegen. Beim Umsatz rechnet das Management mit einem Rückgang von 1 bis 3 Prozent.
Konzernumbau schreitet voran
Parallel zu den Zahlen kam Thyssenkrupp beim großen Umbauprojekt voran. Die Hauptversammlung billigte die Abspaltung der Werkstoffsparte tk accelis mit 99,99 Prozent der Stimmen. Die Börsennotierung ist für Ende Oktober 2026 geplant.
Aktionäre erhalten für je 20 Thyssenkrupp-Aktien eine Aktie der neuen Gesellschaft. Der Mutterkonzern behält vorerst 51 Prozent der Anteile und damit die Kontrolle. Nach der bereits vollzogenen Abspaltung der Marinesparte TKMS ist das der nächste Schritt in der Strategie von Konzernchef Miguel López: Er baut aus dem alten Mischkonzern eine schlankere Struktur mit eigenständigen Sparten. Zusätzlich schloss Thyssenkrupp den Verkauf seiner HKM-Beteiligung an die Salzgitter AG ab.
Belastung kommt derweil von anderer Seite: Die separat notierte Elektrolyse-Tochter Thyssenkrupp Nucera sorgt weiterhin für Gegenwind. Da der Konzern hier Mehrheitsaktionär bleibt, wirft das Nucera-Thema auch einen Schatten auf die Mutteraktie.
Volatilität bleibt hoch
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt aktuell bei rund 40 Prozent. Das zeigt: Nach dem starken Lauf der vergangenen Wochen schwankt die Aktie deutlich stärker als üblich. Mit einem Abstand von 10 Prozent zum jüngsten Hoch bewegt sich das Papier weiterhin klar über seinen langfristigen Durchschnittswerten.
Ob aus dem aktuellen Rücksetzer eine kurze Verschnaufpause oder eine längere Korrektur wird, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen. Im Blick bleibt dabei vor allem der Fortgang der tk-accelis-Abspaltung. Die für Ende Oktober geplante Börsennotierung dürfte der nächste konkrete Meilenstein für die Aktie werden.
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