Thyssenkrupp treibt seine internationale Expansion voran und blickt zugleich auf ein wichtiges Zahlenwerk: Der Essener Konzern hat sein Angebot in Argentinien konkretisiert und stellt heute erste Schätzungen zu den Ergebnissen des abgelaufenen Quartals vor. Die Aktie notierte gestern bei 12,20 Euro und gab um 0,85 Prozent nach – nach einem kräftigen Anstieg von rund 19,5 Prozent in den vergangenen 30 Handelstagen bleibt der Titel damit in einer Verschnaufpause.
Vorstoß in Lateinamerika
Thyssenkrupp-CEO Miguel Ángel López Borrego reiste am Dienstag nach Buenos Aires, um dort zwei strategische Geschäftsfelder voranzutreiben. Auf dem Tisch liegt zum einen U-Boot-Technologie für die argentinische Marine, zum anderen Technik für Düngemittelanlagen. Konkret geht es um das Urea-Projekt von Pampa Energía, das mit rund 2,7 Milliarden US-Dollar veranschlagt ist und ab 2029 jährlich 2,1 Millionen Tonnen produzieren soll. Der Vorstoß zeigt, wie der Konzern parallel zum umgebauten Stahlgeschäft auf sein Marine- und Anlagenbau-Know-how setzt, um neue Absatzmärkte zu erschließen.
Der U-Boot-Bereich ist über die separat gelistete Tochter Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) organisiert, deren Aktie zuletzt im Sog der allgemeinen Rüstungsrally gehandelt wurde. Am Dienstag verlor das TKMS-Papier zwar 1,08 Prozent auf 82,10 Euro, während Rheinmetall, Hensoldt und Renk zulegten – die grundsätzliche Nachfrage nach Marinetechnik aus Lateinamerika unterstreicht aber das langfristige Potenzial des Geschäftsbereichs.
Stahl gewinnt wieder an strategischer Bedeutung
Neben dem Marinegeschäft rückt auch die traditionelle Stahlsparte wieder stärker in den Fokus der Investoren. Ein Bericht vom Mittwoch verweist auf das Projekt BlackRock von Strategic Resources in Kanada, das hochwertiges Eisenerz für die Produktion von grünem Stahl liefern soll. Thyssenkrupp und TKMS gehören demnach zu den Profiteuren einer wachsenden strategischen Bedeutung der Stahlindustrie – ein Narrativ, das zur Neuausrichtung des Konzerns auf klimafreundlichere Produktionswege passt.
Ergänzend zeigt sich der Konzern auch im Bereich Wasserstofftechnologie aktiv: Bei einer Übergabe von Modellprojekten aus dem Ruhrgebiet an die Bundesregierung am 5. August war unter anderem ein Ammoniak-Cracker von Uniper und Thyssenkrupp Uhde vertreten, der täglich vier Tonnen Wasserstoff verarbeiten soll. Solche Projekte untermauern den Anspruch, sich als Technologieanbieter für die Energiewende zu positionieren.
Quartalszahlen und Kursbild
Im Zentrum der Anlegeraufmerksamkeit steht heute jedoch zunächst das abgelaufene Quartal. Erste Schätzungen zu den Ergebnissen wurden für den heutigen Mittwoch angekündigt, konkrete Geschäftszahlen lagen zu Redaktionsschluss noch nicht vor. Der Markt dürfte die Resultate mit Blick auf die laufende Konzernumbaustrategie und die internationale Expansion genau prüfen.
Charttechnisch bleibt die Aktie trotz des jüngsten Rücksetzers in robuster Verfassung. Mit einem Abstand von 7,89 Prozent zum 52-Wochen-Hoch, das im Oktober bei 13,24 Euro markiert wurde, notiert der Titel weiterhin deutlich über seinem langfristigen Aufwärtstrend. Anleger dürften die heutigen Quartalsdaten als nächsten Prüfstein dafür werten, ob sich die operative Erholung in harten Zahlen niederschlägt – parallel zu den diplomatischen und industriellen Vorstößen in Argentinien und Kanada, die dem Konzern neue Wachstumsperspektiven jenseits des europäischen Kerngeschäfts eröffnen sollen.
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