Ein neues Gesetz aus Berlin, eine wichtige Personalie im Wasserstoffrat und ein Stahl-Deal, der früher greift als geplant: Thyssenkrupp sammelt gerade an mehreren Fronten Rückenwind. Die Aktie schloss am Freitag mit einem Plus von 1,72 Prozent bei 11,50 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 18,90 Prozent zu Buche.
Kraftwerksgesetz öffnet Türen für Nucera
Der Bundesrat billigte am 10. Juli 2026 das neue Kraftwerksgesetz endgültig, nachdem der Bundestag bereits einen Tag zuvor zugestimmt hatte. Das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz startet noch 2026 Ausschreibungen für 11 Gigawatt neuer, wasserstofffähiger Gaskraftwerke. Bis 2045 müssen diese Anlagen komplett auf grünen Wasserstoff umgestellt sein.
Für Thyssenkrupp Nucera ist das ein handfestes Geschäftsversprechen. Die Tochtergesellschaft zählt zu den weltweit führenden Anbietern von alkalischer Wasserelektrolyse. Sie kann direkt liefern, was der Umbau der deutschen Stromerzeugung jetzt braucht.
Die politische Entscheidung bekommt zusätzliches Gewicht durch eine Personalie. Nucera-CEO Werner Ponikwar zieht zum 9. Juli 2026 in den reformierten Nationalen Wasserstoffrat ein. Dort berät er die Bundesregierung bei der Umsetzung der Wasserstoffstrategie und vertritt die Interessen der Anlagenbauer.
Stahlgeschäft wird einfacher
Parallel zur Wasserstoff-Nachricht kam Bewegung ins Stahlsegment. Am 9. Juli 2026 vollzog Thyssenkrupp den Verkauf seiner 50-Prozent-Beteiligung an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann. Das Duisburger Werk gehört nun komplett der Salzgitter AG.
Der eigentliche Clou steckt in den Lieferverträgen. Ursprünglich sollte der Vertrag zwischen HKM und Thyssenkrupp Steel bis 2032 laufen. Er endet jetzt schon Ende 2028 – vier Jahre früher als geplant.
Salzgitter will kräftig in HKM investieren, unter anderem in einen Elektrolichtbogenofen. Das Ziel: die CO2-Emissionen um bis zu 90 Prozent senken. Thyssenkrupp gewinnt durch den früheren Ausstieg Freiraum. Der Vorstand kann sich jetzt stärker auf das geplante Joint-Venture mit der tschechischen EPCG konzentrieren.
Charttechnik bestätigt den Trend
Der Blick auf die Kennzahlen zeigt: Die Erholung ist kein Strohfeuer. Der Kurs liegt 15,47 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,96 Euro und 4,58 Prozent über der 50-Tage-Linie bei 11,00 Euro. Der RSI steht bei 54,7 – neutral, ohne Anzeichen von Überhitzung.
Auf Wochensicht zeigt sich allerdings auch Volatilität: Über sieben Tage verlor die Aktie 3,85 Prozent, bevor der Freitagssprung einen Teil davon aufholte. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen noch 13,17 Prozent. Vom Tief bei 7,10 Euro im März 2026 hat sich das Papier hingegen um fast 62 Prozent erholt.
Die nächsten Termine liefern weitere Substanz für die Bewertung. Am 7. August 2026 tagt die außerordentliche Hauptversammlung, bei der Details zur Neuausrichtung der Marinesparte TKMS und zur Stahl-Strategie erwartet werden. Nur sechs Tage später, am 13. August, folgt der Quartalsbericht zum dritten Geschäftsquartal.
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