Thunder Tiger ist kaum wiederzuerkennen. Der taiwanesische Drohnenhersteller, der vor wenigen Wochen noch unter Lieferketten-Verdacht stand, legt eine Raketenrallye hin. Allein am Mittwoch springt die Aktie um fast zehn Prozent auf 186 TWD – neues 52-Wochen-Hoch. Seit Monatsbeginn summiert sich das Plus auf knapp 33 Prozent.
Doch der Kurs ist nicht die ganze Geschichte.
Der CHN-Eklat und die Wende
Im Juni geriet Thunder Tiger in die Schlagzeilen. Berichte behaupteten, Chips in Trainingsdrohnen für Taiwans Militär trügen „CHN“-Kennzeichnungen – ein Hinweis auf chinesische Herkunft. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Die Chips stammten von einem europäischen Hersteller, die Produktion erfolge in Europa. Nur die Verpackung finde teilweise in China statt.
Der Vorfall zeigt: Jeder Lieferketten-Fehltritt kann im Verteidigungsgeschäft existenzbedrohend sein.
Thunder Tiger reagierte schnell. Das Unternehmen positioniert sich als „Non-Red“-Alternative – frei von chinesischen Komponenten. Auf der Taiwan Expo Europe in Warschau präsentierte das Management vier unbemannte Systeme, darunter die Angriffsdrohne „Overkill FPV“. Das Modell ist NATO-kompatibel, besitzt eine US Blue UAS-Zertifizierung und bestand Tests im Pentagon-Programm.
Werk in Ohio, Fabrik in Chiayi
Parallel treibt Thunder Tiger die USA-Expansion voran. Im zweiten Quartal 2026 soll eine neue Fabrik für Drohnenkomponenten in Ohio an den Start gehen. Das Ziel: das US-Geschäft auf das Niveau des Heimatmarktes heben – und die Beschaffungsrichtlinien des Pentagons erfüllen.
Die Finanzierung dafür steht. Im Juni schloss das Unternehmen eine Barkapitalerhöhung ab. Über eine Milliarde NT-Dollar flossen in die Kasse. Ein Teil des Geldes geht in eine neue Fabrik in Chiayi, Taiwan. Sie soll die Produktionskapazität drastisch erweitern.
Der Hintergrund: Taiwans Verteidigungsministerium plant, zehntausende Drohnen auszuschreiben. Wer die nötige Infrastruktur hat, erhält die Aufträge.
Rasanz mit Risiko
Die Kursentwicklung ist atemberaubend. Der RSI liegt bei 80,2 – die Aktie ist überkauft. Die annualisierte Volatilität beträgt 63 Prozent. Das macht den Titel spekulativ, aber auch extrem dynamisch.
Thunder Tiger hat die Weichen gestellt. Jetzt müssen die Werke in Ohio und Chiayi liefern. Und die USA müssen bestellen. Ein Fehler in der Lieferkette wäre der zweite binnen weniger Monate. Den kann sich niemand leisten.
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