Textron: Ruhiger Defense-Konzern für unruhige Zeiten

Textron verbindet stabile Cashflows aus dem Zivilgeschäft mit wachsendem Defense-Boom – eine seltene Kombination in unsicheren Börsenzeiten.

Auf einen Blick:
  • Defense treibt Wachstum
  • Ziviles Geschäft stabilisiert
  • Hoher Auftragsbestand vorhanden
  • Planbare Gewinne bis 2030
  • Bewertung vergleichsweise günstig

Liebe Leserinnen und Leser,

das Investitionsklima ist aktuell rau. Geopolitische Spannungen, Inflationsdruck und fragile Lieferketten prägen das Marktumfeld. Das verschiebt den Anlageschwerpunkt vieler Investoren innerhalb der Sektoren, bekannt als „Branchen-Rotation“. Weg von Software, hochvolatilen (Technologie-)Wachstumswerten, Turnaround-Kandidaten und Biotech-Aktien hin zu Unternehmen, die verlässliche Cashflows, operative Stabilität und gleichzeitig ein sichtbares Wachstumsszenario liefern. In dieses Raster fällt der Industrie- und Defense-Wert Textron – ein US-Konzern, der lange Zeit als klassischer Zykliker eingeordnet wurde, heute aber eine ganz andere Qualität aufweist.

Textron: Strategie-Schwenk in den Defense-Bereich sorgt für steigende Gewinne

Erreicht wurde diese durch eine mehrjährige strukturelle Transformation des Geschäfts. Textron hat sich zwar nicht komplett neu erfunden, aber bewusst von einem breit aufgestellten Industriekonglomerat zu einem fokussierten Luftfahrt- und Defense-Anbieter entwickelt. Unter dem Dach des Unternehmens finden sich bekannte Marken wie Cessna und Beechcraft, die das zivile Geschäft tragen, sowie Bell als zentraler Baustein im militärischen Bereich. Diese Kombination sorgt für Stabilität im Geschäftsmodell; seit 2020 steigen die Umsätze wieder, der Gewinn war im Vorjahr 5-mal höher als noch 2020.

Der wichtigste Wachstumstreiber ist klar das Defense-Segment. Während viele Wettbewerber aus der Industrie noch eine strategische Neuausrichtung ihrer Portfolios planen oder vollziehen, profitiert Textron bereits von Investitionen, die vor Jahren angestoßen wurden. Im Zentrum steht das Bell-Segment.

Mit dem Gewinn des FLRAA-Programms – ein Modernisierungsprojekt der US Army – hat sich das Unternehmen einen der bedeutendsten Aufträge im Bereich der militärischen Luftfahrt gesichert. Die Entwicklung der V-280 Valor, die perspektivisch den Kampfhubschrauber Black Hawk ersetzen soll, sorgt für eine sehr weite Sichtbarkeit der Umsätze bis weit in die 2030er Jahre hinein.

Volle Bücher auch im zivilen Bereich

Diese Entwicklung ist bereits heute in den Zahlen sichtbar. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der militärische Umsatz bei Bell um 20%, während der Auftragsbestand auf rund 7,8 Mrd. USD anwuchs. Wer den Defense-Markt kennt, der weiß, dass Auftragsgewinne oft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum über viele Jahre hinweg liefern, da Anschlussverträge absehbar sind. Meist sind dies Instandhaltungs- und Service-Aufträge, oder eben Modernisierungsaufträge.

Textron kann aber nicht nur „Bell“ sondern ist deutlich breiter aufgestellt, als es auf den ersten Blick scheint. Das Segment Textron Systems liefert unbemannte Flugsysteme (Drohnen) sowie Lösungen für elektronische Kampfführung – Technologien, die in modernen Konflikten eine immer größere Rolle spielen. Damit deckt das Unternehmen nicht nur klassische Plattformen ab, sondern ist auch in Zukunftsfeldern positioniert, die bis auf weiteres exzellente Wachstumsperspektiven haben. Gleichzeitig hat der Konzern einen mit etwa 6,5 Mrd. USD Umsatzanteil zivilen Arm, Textron Aviation.

Symbiose glättet Zyklik und Ausschreibungsrisiko

Interessant ist die Verzahnung der zivilen und militärischen Geschäftsbereiche. Textron Aviation bildet mit Cessna und Beechcraft das stabile Fundament. Die Nachfrage nach Businessjets bleibt hoch, getragen von einem Nachholbedarf im Firmenkundensektor.

Diese stabilen Erlöse ermöglichen es dem Unternehmen, hohe Investitionen in militärische Technologien zu stemmen, da wo das Wachstum stärker ist. Das Ergebnis ist ein ausgewogenes Geschäftsmodell, das weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen ist als bei ausschließlich zivilen Unternehmen und glättet das Risiko, bei Ausschreibungen nicht zum Zug zu kommen.

2026 in der Erfolgsspur

Ein Blick auf die Ergebnisse unterstreicht die positive Entwicklung im Defense- aber auch im zivilen Bereich, der aktuell noch den größeren Umsatzanteil ausmacht. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Textron einen Umsatz von 14,8 Mrd. USD, was einem Anstieg von 8% entsprach. Noch wichtiger ist die Profitabilität: Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 6,10 USD und damit klar über den Erwartungen der Analysten.

Für das laufende Jahr 2026 plant das Management einen Umsatz von 15,5 Mrd. USD und eine weitere Steigerung des Gewinns auf 6,40 bis 6,60 USD je Aktie. Das sind keine Wow-Werte, aber eine solide und vor allem verlässliche Basis dafür, was Investoren erwarten können.

Textron-Aktie: Auch ohne Wow-Effekt attraktiv

Für die hohe Planbarkeit und die Wachstumsperspektive auch über 2026 hinaus ist die Aktie erstaunlich günstig bewertet. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei lediglich 13,3 reine Defense-Unternehmen kommen auch schnell mal auf Werte über 20. Wenig verwunderlich sieht auch das Management die eigene Aktie als unterbewertet an und nutzt die Cashflows gezielt zur Wertsteigerung.

Im Jahr 2025 wurden über 635 Mio. USD über Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückgeführt. Auch die Analystenseite errechnet für Textron einen höheren fairen Wert als aktuell bezahlt wird. Das durchschnittliche Kursziel stieg von Dezember bis heute von 93 auf rund 99,00 USD, in jüngsten Einschätzungen liegen die Kursziele aber auch schon mal bei 110,00 USD.

Textron vereint mehrere Eigenschaften, die in der aktuellen Marktphase besonders gefragt sind. Ein hoher Auftragsbestand, Wachstum im Defense-Bereich, stabile Cashflows aus dem zivilen Geschäft und eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik. Für Investoren, die Stabilität suchen, ohne auf Wachstum verzichten zu wollen, könnte die Textron-Aktie eine solide Depotergänzung sein.

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