Tether: Zwischen Sanktionen und Expansion

Tether friert 131 Mio. Dollar sanktionierter iranischer Wallets ein und investiert parallel in US-Lohnabwicklung via Stablecoin USAT.

Auf einen Blick:
  • 131 Mio. USDT auf Tron-Wallets eingefroren
  • Zusammenarbeit mit über 340 Strafverfolgungsbehörden
  • 7 Mio. Dollar Finanzierung für Pact Labs
  • USAT-Stablecoin für US-Lohnzahlungen positioniert

Innerhalb weniger Stunden zeigt sich, wie zwei Gesichter das Geschäft von Tether prägen: Kontrolleur im Auftrag von US-Behörden auf der einen Seite, Wachstumstreiber für einen neuen Dollar-Stablecoin auf der anderen. Beide Rollen kollidieren gerade wieder – und beide sagen etwas über die Stellung des Unternehmens im globalen Finanzsystem aus.

Vier Wallets, 131 Millionen Dollar

Das US-Finanzministerium hat am Dienstag mehrere Krypto-Wallets sanktioniert, die mit der iranischen Zentralbank in Verbindung stehen. Finanzminister Scott Bessent bestätigte das Einfrieren von mehr als 130 Millionen Dollar. Parallel dazu blockierte Tether vier Tron-Wallets mit zusammen 131 Millionen USDT, die laut On-Chain-Analysten mit der Revolutionsgarde und der iranischen Zentralbank verknüpft waren. Ein Großteil der Gelder war zuvor über den Zahlungsdienstleister DTC Pay und die Kryptobörse Bitso abgeflossen.

Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Aktionen ein. Erst im April unterstützte Tether das Einfrieren von mehr als 344 Millionen Dollar auf zwei weiteren Tron-Adressen, nachdem US-Behörden die Wallets als verdächtig eingestuft hatten. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen mittlerweile mit über 340 Strafverfolgungsbehörden in 65 Ländern zusammen und hat mehr als 4,4 Milliarden Dollar an Vermögenswerten eingefroren, davon über 2,1 Milliarden Dollar im Auftrag US-amerikanischer Stellen.

Investition in US-Lohnabwicklung

Während Tether auf der einen Seite Gelder blockiert, investiert das Unternehmen auf der anderen in neue Vertriebswege. Zusammen mit Blockchange Ventures und Lasagna führte Tether eine Finanzierungsrunde über 7 Millionen Dollar bei Pact Labs an. Ziel ist es, den hauseigenen USAT-Stablecoin für den US-Markt bei Lohnzahlungen zu etablieren.

USAT wurde im Januar eingeführt und soll den Vorgaben des GENIUS Act entsprechen, dem Stablecoin-Gesetz, das der US-Kongress vergangenes Jahr verabschiedet hat. Anders als das globale USDT, das primär mit Dollar-Reserven gedeckt ist, aber für US-Kunden nicht zugänglich ist, richtet sich USAT gezielt an den heimischen Markt. Pact Labs soll künftig als Infrastrukturanbieter fungieren, damit Arbeitgeber Löhne rund um die Uhr auszahlen können, ohne auf klassische Batch-Verarbeitung angewiesen zu sein.

Laut der jüngsten Attestierung lag das Volumen von USAT im April bei über 140 Millionen Dollar. Verglichen mit der Marktmacht von USDT ist das noch ein kleiner Baustein – die Investition in Pact Labs zeigt aber, dass Tether den US-Markt gezielt aufbauen will, während im Hintergrund die Zusammenarbeit mit Sanktionsbehörden weiterläuft.

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