Zwei Nachrichten, ein Unternehmen, zwei völlig unterschiedliche Erzählungen: Während Tether an einem neuen Zahlungsprodukt für Firmenkunden arbeitet, muss sich der Stablecoin-Emittent gleichzeitig gegen den Vorwurf wehren, zum Finanzierungsinstrument des iranischen Regimes geworden zu sein.
Direkter Zugang zu frisch geprägten Dollar-Token
Gemeinsam mit den Firmen Freemarket und Axiym hat Tether einen neuen Dienst namens LIQUI-DT gestartet. Firmenkunden erhalten damit rund um die Uhr direkten Zugriff auf frisch geprägte USDT aus dem Primärmarkt, eingebettet in ein reguliertes Zahlungsnetzwerk. In Testläufen wurden nach Unternehmensangaben bereits mehr als 300 Millionen Dollar über den Dienst geprägt oder zurückgegeben.
Tether selbst übernimmt dabei laut eigener Darstellung nur die Ausgabe der Token, Betrieb und Zahlungsabwicklung liegen bei den Partnerfirmen. Vorstandschef Paolo Ardoino bezeichnete den direkteren Zugang zum Zahlungsverkehr als bedeutenden Schritt, insbesondere für Firmen, die Geld in und zwischen Schwellenländern bewegen. Dort gilt USDT vielerorts als bevorzugtes digitales Dollar-Substitut.
Senatsbericht wirft Tether Kontrollversagen vor
Zeitgleich sorgt ein Bericht des US-Senats für Aufsehen. Der demokratische Senator Richard Blumenthal, führendes Mitglied des zuständigen Untersuchungsausschusses, wirft Tether vor, zentraler Baustein von Irans Schattenbanksystem zu sein. Die Untersuchung stützt sich auf die Analyse von 846 sanktionierten oder blockierten Krypto-Wallets mit Iran-Bezug.
Laut dem 28-seitigen Bericht wickelten 87 Prozent von 757 Wallets, die mit iranischer Terrorfinanzierung in Verbindung gebracht werden, ihre Transaktionen überwiegend über USDT ab. Die Ermittler werfen Tether zudem vor, wiederholt versäumt zu haben, verdächtige Wallets zu sperren, obwohl öffentlich zugängliche Informationen über deren Verbindungen zu iranischen Akteuren vorlagen.
Der Bericht beleuchtet außerdem personelle Verbindungen zur Trump-Regierung, etwa über Handelsminister Howard Lutnick, dessen frühere Firma Cantor Fitzgerald als Verwahrstelle für Tether fungiert.
Tether wies die Vorwürfe zurück und verwies darauf, im vergangenen Jahr Iran-verknüpfte USDT im Wert von 550 Millionen Dollar eingefroren zu haben. Ardoino betonte, öffentliche Blockchains gäben Behörden mehr Einblick in Geldflüsse als Bargeld je könnte, und das Unternehmen handle, sobald belastbare Hinweise von Strafverfolgern vorlägen.
Der Kontrast zwischen den beiden Entwicklungen dürfte die öffentliche Wahrnehmung von Tether in den kommenden Wochen prägen. Auf der einen Seite die Expansion in regulierte Firmenkundenzahlungen, auf der anderen die Frage nach möglichen Konsequenzen aus dem Senatsbericht, den Blumenthal bereits an Justizminister Todd Blanche und Finanzminister Scott Bessent zur weiteren Prüfung übergeben hat.
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