Rekordumsatz und Gewinneinbruch in einem Atemzug — das schaffte Tesla in dieser Woche. Während der US-Elektroautobauer mit seinen Quartalszahlen enttäuschte, meldete CATL einen Natrium-Ionen-Deal nach dem nächsten. Dazwischen kämpfen Volkswagen und Stellantis um Anschluss an die Konkurrenz aus China, und Deutz sortiert sich nach seinem größten Zukauf der Firmengeschichte neu.
Deutz AG: FFG-Übernahme spaltet die Analysten
Die Deutz-Aktie hat sich zuletzt stabilisiert. Aktuell notiert das Papier bei 10,01 Euro, nach einem Kursanstieg von 7,40 Prozent innerhalb einer Woche und 17,76 Prozent seit Jahresbeginn. Zum 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro fehlen dennoch fast 20 Prozent.
Auslöser der Bewegung war die Übernahme des Militärfahrzeugherstellers FFG — die größte Akquisition in der Firmengeschichte. Der Kurs sprang nach der Ankündigung zunächst deutlich, normalisierte sich danach aber wieder. Warburg Research bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 13,20 Euro. Der Rest der Analystengemeinde hält sich mit Anpassungen zurück und verweist auf die schwer kalkulierbare Verwässerung durch den Deal.
Für 2026 rechnet das Management mit einem Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 Prozent. Die aktuelle Ergebnisdynamik stützt sich stark auf die Frerk-Aggregatebau-Übernahme sowie Kosteneinsparungen aus dem Future-Fit-Programm — beide Effekte laufen aber bis Ende des Jahres weitgehend aus. Wie stark die FFG-Integration die Marge künftig belastet, bleibt vorerst offen.
CATL: Natrium-Ionen-Technologie erobert Europa
Beim chinesischen Batteriegiganten läuft es dagegen rund. Die Aktie legte am Berichtstag um 3,69 Prozent auf 385,99 Yuan zu, nach einem Wochenplus von 5,40 Prozent. Auf Jahressicht steht ein Kursgewinn von fast 35 Prozent zu Buche.
Der Antrieb kommt aus einer ungewohnten Ecke: Natrium-Ionen-Speicher. CATL unterzeichnete mit dem osteuropäischen Energieversorger Solarpro einen Kooperationsvertrag über Tener-Sodium-Speichersysteme mit einer Kapazität von 2 Gigawattstunden — gemeinsam soll damit das erste großformatige Natrium-Ionen-Speicherprojekt Mittel- und Osteuropas entstehen. Nur wenige Tage zuvor hatte CATL bereits mit dem niederländischen Unternehmen Alfen einen noch größeren Deal über 5 Gigawattstunden für Westeuropa besiegelt, mit Auslieferung ab 2027.
Der Reiz der Natrium-Technologie liegt in der Rohstoffbasis: Natrium ist rund 1.000-mal häufiger verfügbar als Lithium und deutlich günstiger zu beschaffen. Das macht Abnehmer unabhängiger von Lithiumpreisschwankungen. CATL baut derzeit Produktionskapazitäten von 200 Gigawattstunden in zwei chinesischen Werken aus, um die erwartete Nachfrage zu bedienen. Die Halbjahreszahlen stehen am 25. Juli an — ein Termin, der zeigen dürfte, ob sich die Diversifizierung bereits in den Büchern niederschlägt.
Stellantis: Mobileye-Partnerschaft trifft auf schwachen Kurs
Bei Stellantis klafft eine Lücke zwischen operativen Fortschritten und Kursentwicklung. Das Papier notiert bei 5,11 Euro — seit Jahresbeginn ein Minus von 45,95 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar 41,90 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Tief von 4,59 Euro sind es dagegen nur noch gut 11 Prozent Abstand.
Operativ tut sich einiges: Mobileye Global liefert Stellantis künftig cloudbasierte Fahrassistenztechnologie. Ausgewählte Modelle der Jeep- und Chrysler-Mutter sollen ab 2027 Mobileyes Road-Experience-Management-System integrieren, das auf Schwarmdaten aus Millionen Fahrzeugen setzt, um Spurhaltung und freihändiges Fahren zu verbessern. Stellantis wird damit der fünfte der zehn größten Autobauer weltweit, der Daten an die Mobileye-Plattform liefert.
Auch beim Absatz zeigt sich Bewegung nach oben: Die Auslieferungen im zweiten Quartal stiegen um rund 10 Prozent auf geschätzt 1,6 Millionen Einheiten, getragen von Nordamerika und dem erweiterten Europageschäft. Der Blick richtet sich nun auf den 30. Juli, wenn die Quartalszahlen zeigen sollen, ob sich das operative Momentum auch im Ergebnis niederschlägt. Mit einem KGV von rund 7,4 und einer Dividendenrendite nahe 3,95 Prozent zählt die Aktie weiterhin zu den günstigsten der Branche.
Volkswagen: Große Wette auf autonomes Fahren in China
Volkswagen setzt im Rennen um autonomes Fahren voll auf den chinesischen Markt. Die Aktie notiert bei 73,06 Euro, nach einem Rückgang von knapp 30 Prozent seit Jahresbeginn und einem Abstand von über 21 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt.
Die chinesische Fahrzeugtechnik-Tochter CARIZON vertieft ihre Partnerschaft mit Horizon Robotics, um selbstfahrende Systeme der Stufen 3 und 4 schneller voranzutreiben. Erste Level-3-fähige Modelle sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2027 ausgeliefert werden. Der Schritt folgt auf das Ende der Entwicklungsallianz mit Bosch für hochautomatisiertes Fahren Anfang Juli — als möglicher neuer Partner wird das britische KI-Unternehmen Wayve gehandelt.
Der Trend zieht sich durch die gesamte Branche: Auch Stellantis testet mit Pony AI Robotaxis in Europa, Mercedes-Benz hat mit Momenta bereits Robotaxi-Dienste in Abu Dhabi gestartet. Volkswagen selbst will in diesem Jahr Level-2++-Technologie für assistiertes Fahren in der Stadt auf seine China-Modelle ausrollen. Einundzwanzig Analysten sehen im Schnitt ein Kurspotenzial von rund 32 Prozent, die Kursziele reichen von 95 bis 140 Euro — bei einem KGV von aktuell nur rund 6,0 spiegelt sich darin auch die Skepsis mancher Investoren gegenüber der strukturellen Wettbewerbslage. Die Quartalszahlen der Vorzugsaktie stehen morgen, am 24. Juli, auf der Agenda.
Tesla: Rekordumsatz kann Margenverfall nicht kaschieren
Kein anderes Papier aus dieser Übersicht bewegte sich zuletzt so heftig wie Tesla. Die Aktie brach um 7,12 Prozent auf 304,00 Euro ein, nach einem Wochenminus von 11,06 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 22,60 Prozent zu Buche, der RSI von 34,2 signalisiert eine überverkaufte Situation.
Der Auslöser: Die Quartalszahlen zum zweiten Jahresviertel fielen zwiespältig aus. Der Umsatz kletterte um 26 Prozent auf einen Rekordwert von 28,24 Milliarden US-Dollar — erstmals überstieg der Zwölfmonatsumsatz damit die Marke von 100 Milliarden Dollar. Gleichzeitig brach das operative Ergebnis nach US-GAAP um 57 Prozent ein, die operative Marge schrumpfte von 4,1 auf 1,4 Prozent.
Verantwortlich dafür sind vor allem die massiv gestiegenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Die Betriebskosten kletterten um 47 Prozent, während die Investitionsausgaben um 142 Prochant auf 5,79 Milliarden Dollar hochschnellten. In der Folge rutschte der freie Cashflow erstmals seit Anfang 2024 ins Negative. Die Bruttomarge sank derweil auf 16,8 Prozent von zuvor 17,2 Prozent, deutlich unter den von Analysten erwarteten rund 19,4 Prozent — belastet durch sinkende Durchschnittspreise pro Fahrzeug und rückläufige Einnahmen aus regulatorischen Kreditgutschriften.
Immerhin liefern die Nebengeschäfte Lichtblicke: Das Energiegeschäft wuchs um 13 Prozent auf 3,14 Milliarden Dollar, der Bereich Services legte sogar um 50 Prozent auf 4,58 Milliarden Dollar zu. Der Analystenkonsens sieht die Aktie derzeit bei einem „Hold“ mit einem Kursziel von 420,96 Dollar, während eine breitere Umfrage unter 47 Analysten im Schnitt eine „Buy“-Einschätzung mit einem Ziel von 425,22 Dollar ausweist. DZ Bank bestätigte kurz vor der Zahlenvorlage ihre Halten-Einstufung.
Sektordynamik im Vergleich
Die fünf Unternehmen verfolgen derzeit klar unterschiedliche Strategien:
- Tesla und CATL investieren aggressiv in Zukunftstechnologien — Tesla in KI und Robotik auf Kosten der Marge, CATL in Natrium-Speicher als neues Standbein neben dem Kerngeschäft.
- Volkswagen und Stellantis setzen auf externe Technologiepartner — Horizon Robotics beziehungsweise Mobileye —, um die Lücke beim autonomen Fahren zu schließen, ohne die volle Entwicklungslast selbst zu tragen.
- Deutz positioniert sich mit der FFG-Übernahme komplett neu zwischen Motorenbau und Verteidigungstechnik.
- Bewertungsspanne: Stellantis und Volkswagen notieren mit einstelligen KGVs, was die Skepsis des Marktes gegenüber der Transformationsfähigkeit klassischer Autobauer widerspiegelt. Tesla dagegen preist weiterhin hohe Erwartungen an Autonomie und Robotik ein.
Ausblick: Diese Termine entscheiden über die nächste Kursrichtung
Die kommenden Tage liefern gleich mehrere Belastungsproben für die hier vorgestellten Strategien. Volkswagen legt morgen Zahlen vor, CATL folgt am 25. Juli, Stellantis schließt den Reigen am 30. Juli ab. Jeder dieser Termine testet, ob die in dieser Woche verkündeten strategischen Weichenstellungen — Volkswagens China-Offensive bei autonomem Fahren, CATLs Natrium-Expansion und Stellantis‘ ADAS-Partnerschaft mit Mobileye — tatsächlich finanzielle Substanz gewinnen.
Für Tesla richtet sich der Blick nun darauf, ob die milliardenschweren Investitionen in KI und Robotik mittelfristig wieder zu den früheren Margen zurückführen können. Deutz-Aktionäre wiederum warten auf Klarheit darüber, wie die FFG-Übernahme finanziert und integriert wird — eine Antwort, die über die Kursrichtung der kommenden Monate mitentscheiden dürfte.
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