Tesla: Der Außenseiter mit dem 20-Milliarden-Problem

Tesla unterscheidet sich von den anderen Magnificent 7. Das Unternehmen wird 2026 voraussichtlich Geld verbrennen und benötigt frisches Kapital, um seine ambitionierten Pläne zu finanzieren.

Auf einen Blick:
  • Tesla ist kein reiner Tech-Konzern wie die anderen Magnificent 7
  • Investitionsbudget von 20 Mrd. USD drückt Cashflow ins Negative
  • Bewertung und operative Realität klaffen stark auseinander
  • Management spricht offen über zusätzlichen Finanzierungsbedarf

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

während Nvidia, Microsoft und Alphabet die Börsen mit Rekordgewinnen begeistern, zeigt sich bei Tesla ein völlig anderes Bild. Der Elektroautobauer gehört zwar noch zur illustren Gruppe der Magnificent 7. Doch ein genauer Blick auf die Zahlen offenbart eine unbequeme Wahrheit. Tesla ist kein Technologiekonzern wie die anderen sechs. Es ist ein Autohersteller mit Tech-Ambitionen und genau das wird zum Problem.

Die Magnificent 7 ohne Tesla wären die Magnificent 6

Die Bezeichnung Magnificent 7 entstand 2023 für jene sieben Aktien, die den S&P 500 nach oben trieben. Neben Tesla gehören Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Nvidia dazu. Im ersten Jahr teilten sich alle sieben tatsächlich die Spitzenplätze. Doch 2025 begann die Gruppe auseinanderzudriften. Tesla rutschte im Ranking deutlich ab.

Der fundamentale Unterschied liegt auf der Hand. Während die anderen sechs unbestritten Technologiegiganten sind, bleibt Tesla in erster Linie ein Fahrzeughersteller. Das Unternehmen produziert und verkauft Elektroautos sowie zunehmend Batteriepakete. Apple verdient sein Geld zwar auch mit Konsumgütern. Amazon betreibt eine riesige E-Commerce-Plattform. Beide sind jedoch ohne Zweifel IT-Konzerne mit hohen Margen. Tesla hingegen bewegt sich in einem Markt mit hauchdünnen Gewinnspannen.

Die technologischen Stärken von Tesla liegen im Design elektrischer Antriebe und in Fahrassistenzsystemen. Robotaxis, humanoide Roboter und Chip-Produktionspläne existieren bisher eher als Forschungsprojekte denn als kommerzielle Geschäftsfelder. Der Unterschied zu den etablierten Tech-Playern könnte kaum größer sein.

Bewertung und Realität klaffen auseinander

Teslas Kurs-Gewinn-Verhältnis erreicht schwindelerregende Höhen. Das Forward-KGV liegt deutlich über dem Durchschnitt der anderen sechs Magnificent-7-Mitglieder. Eine hohe Bewertung kann Investorenträume beflügeln. In diesem Fall spiegelt sie jedoch eine wachsende Diskrepanz zu den Fundamentaldaten wider. Zwei Drittel des KGV-Anstiegs der vergangenen drei Jahre erklären sich durch sinkende Gewinnprognosen. Tesla ist das einzige Mitglied der Gruppe, dessen ausgewiesene Gewinne in diesem Zeitraum tatsächlich zurückgingen.

Der Cashflow erzählt die wahre Geschichte. Tesla plant für 2026 eine Verdoppelung der Investitionsausgaben auf etwa 20 Milliarden Dollar. Bei der Betrachtung von operativem Cashflow, Investitionen und freiem Cashflow spielt Tesla in einer völlig anderen Liga als die Konkurrenz. In den vergangenen fünf Jahren erwirtschaftete Tesla einen freien Cashflow von 27 Milliarden Dollar. Das klingt zunächst beeindruckend.

Amazon generierte in derselben Zeit nur 50 Prozent mehr freien Cashflow. Der Unterschied liegt in den Investitionen. Amazon steckte neunmal so viel Geld in Sachanlagen wie Tesla. Alle anderen Magnificent-7-Mitglieder außer Amazon erwirtschafteten allein im vergangenen Jahr mehr freien Cashflow als Tesla in fünf Jahren zusammen. Diese Zahlen verdeutlichen die Dimensionen.

Das 20-Milliarden-Budget und seine Grenzen

Tesla positioniert sich neu als Vorreiter in Autonomie, Robotik und künstlicher Intelligenz. Das Investitionsbudget von 20 Milliarden Dollar für 2026 wird den freien Cashflow erstmals seit 2018 deutlich ins Negative drücken. Doch diese Summe entspricht nur einem Neuntel dessen, was beispielsweise Alphabet voraussichtlich ausgeben wird. Alphabet erwartet für 2026 trotzdem einen freien Cashflow von 34 Milliarden Dollar.

Die operative Marge bei Tesla liegt unter 5 Prozent. Die anderen sechs Mitglieder erreichen Margen zwischen 11 Prozent am unteren Ende und fast 60 Prozent am oberen Ende. Nvidia führt hier das Feld an. Tesla mag der zweitgrößte Verkäufer von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen weltweit sein. Doch sein Anteil am globalen Fahrzeugmarkt beträgt nur 1,8 Prozent. Diese hohe Position bei EVs übersetzt sich nicht in hohe Profitabilität.

Ein Technologiegigant lässt sich schwer aus einem Automobilunternehmen formen. Tesla konkurriert in der KI-Welt mit den massiven Budgets mehrerer Magnificent-7-Mitglieder. Diese können ihre Ausgaben problemlos aus dem operativen Cashflow decken. Tesla tritt außerdem gegen Alphabets Waymo an, das gerade 16 Milliarden Dollar für den Ausbau seiner Robotaxi-Dienste eingesammelt hat. Unternehmen wie OpenAI streben Börsengänge mit Bewertungen von einer Billion Dollar an.

Das Musk-Imperium braucht frisches Kapital

Die Neuausrichtung des Musk-Konglomerats findet vor diesem Hintergrund statt. Tesla wird 2026 Geld verbrennen. Das Management hat Investoren mitgeteilt, dass zusätzliche Finanzierung erforderlich werden könnte. Der Gang an den Kapitalmarkt liegt in Teslas DNA. Das Unternehmen zapfte die Börse in seiner Geschichte elfmal an. Das entspricht fast der Summe aller Kapitalerhöhungen der anderen sechs Magnificent-7-Mitglieder zusammen.

xAI verbrennt Berichten zufolge monatlich etwa eine Milliarde Dollar. SpaceX erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein EBITDA von 8 Milliarden Dollar. Das wäre positiv. Doch diese Zahl berücksichtigt keine Investitionsausgaben. Bei Tesla wandelten sich in den vergangenen fünf Jahren nur 39 Prozent des EBITDA in freien Cashflow um. SpaceX hat zudem kürzlich die Kosten von xAI übernommen. Tesla verfügt zwar über mehr als 40 Milliarden Dollar Barmittel. Anhaltende Mittelabflüsse könnten jedoch selbst unerschütterliche Investoren nervös machen.

Eine mögliche Fusion aller drei Unternehmen würde die Kassenbestände auf mehrere Vorhaben verteilen. Ein erfolgreicher Börsengang von SpaceX erscheint nicht nur für dieses Unternehmen wichtig. Er könnte dem gesamten Imperium Dutzende Milliarden Dollar frisches Kapital verschaffen. Teslas fragwürdiger Status als siebtes Magnificent-Mitglied unterstreicht ein größeres Problem. Elon Musk könnte dringend ein weiteres Standbein gebrauchen.

Unterschätzte Risiken für Anleger

Die Diskrepanz zwischen Bewertung und operativer Realität sollte Investoren zu denken geben. Tesla kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Im Kerngeschäft Elektroautos intensiviert sich der Wettbewerb. Chinesische Hersteller drängen mit günstigen Modellen in alle Märkte. Etablierte Autobauer holen bei der Elektrifizierung auf. Gleichzeitig versucht Tesla, in völlig neuen Bereichen Fuß zu fassen.

Die Ressourcen sind begrenzt. Mit einem Investitionsbudget, das nur einen Bruchteil der Tech-Giganten ausmacht, muss Tesla gegen kapitalkräftige Konkurrenten antreten. Die Margensituation lässt wenig Spielraum für Fehler. Der freie Cashflow wird negativ. Das Management spricht offen über möglichen Finanzierungsbedarf. Diese Faktoren zusammengenommen ergeben ein Bild erhöhter Unsicherheit.

Tesla bleibt ein faszinierendes Unternehmen mit visionären Zielen. Die nüchterne Analyse der Finanzkennzahlen zeigt jedoch erhebliche Herausforderungen. Die Magnificent 7 waren nie eine homogene Gruppe. Tesla macht dies besonders deutlich. Während die anderen sechs aus Positionen der Stärke in neue Geschäftsfelder expandieren, muss Tesla einen schwierigen Balanceakt vollführen. Das Unternehmen versucht gleichzeitig, sein Automobilgeschäft profitabel zu halten und neue Technologiesparten aufzubauen.

Was diese Entwicklung für den Markt bedeutet

Tesla ist fundamental anders aufgestellt als die anderen Magnificent-7-Aktien. Die Bewertung suggeriert einen Technologieführer. Die Realität zeigt einen Automobilhersteller mit ambitionierten Plänen und begrenzten Mitteln. Diese Diskrepanz kann nicht ewig bestehen bleiben. Entweder müssen sich die Fundamentaldaten dramatisch verbessern oder die Bewertung wird sich anpassen müssen.

Für Anleger bedeutet das: Wer in Tesla investiert, setzt auf eine radikale Transformation. Der Erfolg dieser Transformation ist alles andere als garantiert. Die Konkurrenz schläft nicht. Die Kapitalanforderungen sind enorm. Die Margen bleiben unter Druck.

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