Tesla-Aktien fielen in den vergangenen sieben Handelstagen um fast 14 Prozent. Der Kurs notiert bei 278,70 Euro, nur wenige Prozent über dem Jahrestief von 262,00 Euro aus dem August 2025. Ob sich daraus ein Boden bildet oder eine weitere Verkaufswelle folgt, hängt maßgeblich vom Fortschritt des Robotaxi-Geschäfts ab.
Ausgangslage: Gewinnschock trifft stockende Robotaxi-Ausweitung
Die Zahlen zum zweiten Quartal lösten den stärksten Tagesverlust seit März 2025 aus. Der Auslöser: Ein verfehltes Gewinnziel traf auf einen Investitionsschock. Die Investitionsausgaben kletterten im Jahresvergleich um 142 Prozent auf 5,79 Milliarden Dollar. Für das laufende Jahr rechnet Tesla mit Investitionen von mehr als 25 Milliarden Dollar.
Parallel dazu weitete Tesla sein Robotaxi-Angebot auf Orlando und Tampa aus. Der Fahrdienst läuft inzwischen in mehreren Märkten ohne Sicherheitsfahrer, auch in Austin und Miami. Eine unabhängige Auswertung der von Tesla selbst veröffentlichten Daten zeichnet allerdings ein anderes Bild: Das Wachstum beschleunigt sich nicht. Im zweiten Quartal kamen erneut nur rund 900.000 bezahlte Meilen hinzu – exakt so viel wie im ersten Quartal.
Die entscheidende Kennzahl: Stagniert das Meilenwachstum?
Die Kernfrage für Anleger lautet: Beschleunigt sich das Meilenwachstum der Robotaxi-Flotte wieder, oder bleibt es auf dem aktuellen Niveau hängen? Eine Aufschlüsselung der Quartalsdaten zeigt sogar eine Verlangsamung innerhalb der drei Monate. Rund 500.000 der Meilen kamen allein im April zusammen. Im Mai und Juni wuchs die Flotte dann nur noch um jeweils etwa 200.000 Meilen im Monat.
Dieser Trend trifft auf Investitionsausgaben von mehr als 25 Milliarden Dollar für das Jahr. Er wird zeigen, ob die Autonomie-Story die schwächelnde Kernprofitabilität ausgleichen kann.
Bullen-Szenario: FSD-Dynamik und tiefer Bewertungsabschlag
Optimisten verweisen auf den Fortschritt bei der Software, der schneller verläuft als die Robotaxi-Kennzahlen. Die FSD-Abonnements wuchsen im Quartal auf Rekordniveau. Über 55 Prozent der Neuauslieferungen in Nordamerika enthielten inzwischen ein FSD-Abo. Beim Fahrzeug selbst hat Tesla einen wichtigen Schritt gemacht: Die Produktion des Cybercab, des eigens für die Robotaxi-Flotte entwickelten Fahrzeugs, ist angelaufen. Erste Testfahrten auf öffentlichen Straßen begannen im selben Quartal.
Manche Fondsmanager werten den Ausverkauf als Kaufgelegenheit. Eine bekannte Fondsmanagerin stockte ihre Tesla-Position nach dem Kursrutsch auf. Auf der Bewertungsseite liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten bei 373,67 Euro – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 34 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Der RSI von 29,6 signalisiert zudem eine technisch überverkaufte Lage, wie sie historisch oft kurzfristigen Erholungen vorausging.
Bären-Szenario: Flache Meilenzahl, negativer Cashflow
Die Gegenseite verweist auf die wachsende Lücke zwischen Ausgaben und sichtbarem Fortschritt bei der Autonomie. Neben dem Investitionssprung verschlechterten sich weitere Profitabilitätskennzahlen. Der operative Cashflow drehte im Quartal ins Negative.
Die Analysten von Argus Research bewerten die Aktie mit „Hold“. Sie erwarten, dass dies den freien Cashflow belastet und das Gewinnwachstum verzögert – ohne dass Aktionäre kurzfristig davon profitieren. Nach Einschätzung der Analysten wird es Tesla in absehbarer Zeit kaum gelingen, ein verlässliches Gewinnwachstum zu liefern.
Auch der Robotaxi-Ausbau selbst blieb wiederholt hinter den Erwartungen zurück. Seit dem Start im Juni 2025 mit einer kleinen Flotte von Model-Y-Fahrzeugen und Sicherheitsfahrern verlief die Expansion langsamer als von CEO Elon Musk angekündigt. Musk hatte im Juli 2025 in Aussicht gestellt, bis Ende 2025 die Hälfte der US-Bevölkerung zu erreichen – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Hinzu kommt: Tesla legt bis heute weder die Gesamtgröße der Flotte noch die Zahl bezahlter Fahrten, Interventionsraten oder die Wirtschaftlichkeit einzelner Fahrten offen.
Ausblick: Technische Erholung gegen fundamentale Schwäche
Solange die bezahlten Robotaxi-Meilen im Bereich von grob 600.000 bis 900.000 pro Quartal verharren, dürfte das Argument der Bären überwiegen: hohe Ausgaben ohne erkennbaren Gegenwert. In diesem Fall bleibt die Aktie anfällig für einen erneuten Test des Jahrestiefs bei 262,00 Euro.
Beschleunigt sich hingegen die Cybercab-Rampe und liefert das nächste Quartalsupdate spürbar mehr bezahlte Meilen, könnte die überverkaufte Lage für eine Erholung sprechen. Nächste Marke wäre dann der 50-Tage-Durchschnitt bei 347,12 Euro.
Der konkrete Prüfstein folgt mit der nächsten Offenlegung von Tesla zu Robotaxi-Meilen und Flotten-Ökonomie im dritten Quartal. Bricht das Plateau nach oben aus, spricht vieles für eine Erholung. Bleibt die Meilenzahl flach, bleibt auch der Druck auf die Aktie bestehen.
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