SpaceX hat gerade seinen Börsengang abgeschlossen — und schon stellt sich die nächste große Frage: Wie lange, bis Elon Musk die beiden Unternehmen zusammenführt? Wedbush-Analyst Dan Ives setzt die Wahrscheinlichkeit dafür auf 80 Prozent innerhalb eines Jahres.
Ives wäre nach eigenen Worten „schockiert“, wenn Tesla und SpaceX nicht innerhalb der nächsten zwölf Monate fusionieren. Ein kombiniertes Unternehmen wäre seiner Einschätzung nach ein „heiliger Gral“ — Musk würde damit ein zusammenhängendes KI-Ökosystem kontrollieren. Allerdings räumt Ives ein: SpaceX hat derzeit andere Prioritäten. Starts und Starlink stehen im Vordergrund.
Verflechtungen bereits tief
Die operative Verbindung zwischen beiden Unternehmen ist längst keine Theorie mehr. Tesla investierte im Januar 2,0 Milliarden Dollar in xAI. Als SpaceX xAI anschließend in einem reinen Aktientausch für rund 250 Milliarden Dollar übernahm, wandelte sich Teslas Beteiligung in knapp 19 Millionen SpaceX-Aktien um.
SpaceX‘ S-1-Prospekt lieferte weitere Details. Das Raumfahrtunternehmen kaufte Tesla-Megapacks im Wert von 697 Millionen Dollar und Cybertrucks für 131 Millionen Dollar. Beide Firmen teilen Lieferketten und Halbleiterpläne. Tesla taucht im S-1 insgesamt 87 Mal auf. Musk ist CEO und Verwaltungsratsmitglied bei beiden.
Verwässerung als Kernproblem
Nicht alle Investoren teilen Ives‘ Begeisterung. Die Juraprofessorin Ann Lipton von der University of Colorado benennt das zentrale Problem: Bei einem Aktienzusammenführung würden Tesla-Aktien in SpaceX-Aktien umgetauscht — zu einem festgelegten Verhältnis. Der Anteil bestehender Tesla-Aktionäre am kombinierten Unternehmen würde schrumpfen.
Noch skeptischer ist Veteran-Investor Steven Eisman. Er hält einen solchen Schritt für SpaceX-Aktionäre für wenig attraktiv. Tesla operiert in einem kapitalintensiven und hart umkämpften Elektroautomarkt — kein offensichtlicher Mehrwert für SpaceX-Investoren. Hinzu kommt: SpaceX erzielte beim Börsengang einen Preis von 135 Dollar je Aktie, was einer Marktkapitalisierung von rund 1,8 Billionen Dollar entspricht. Das liegt etwa 20 Prozent über Teslas aktuellem Börsenwert. Neue SpaceX-Aktionäre dürften kaum einem Tausch zu Konditionen unterhalb des IPO-Preises zustimmen.
Lieferungen steigen, Nachfrage bleibt fraglich
Abseits der Fusionsdebatte veröffentlichte GLJ Research eine Prognose für Teslas zweites Quartal 2026. Die Analysten erwarten rund 426.000 Auslieferungen — ein Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Grund: Tesla baut überschüssige Lagerbestände ab, die sich im ersten Quartal aufgebaut hatten. Im Q1 produzierte Tesla über 408.000 Fahrzeuge, lieferte aber nur rund 358.000 aus.
GLJ hält dennoch an seiner „Sell“-Einstufung fest. Eine echte Nachfragebelebung sei nicht erkennbar. Das deckt sich mit dem verhaltenen Kursbild: Die Tesla-Aktie notiert bei rund 352 Euro und liegt damit knapp 6 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau.
27 Analysten vergeben im Konsens ein „Hold“-Rating. Morningstar weist darauf hin, dass der abgeschlossene SpaceX-Börsengang nun einen Marktpreis liefert — eine wichtige Grundlage, um den fairen Wert einer möglichen Fusion zu bestimmen. Musk-geführte Unternehmen bewegen sich schnell. Ein Deal noch vor dem nächsten Sommer wäre kein Ausreißer.
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