Tesla ist am Mittwoch in New York erstmals seit August 2025 unter die Marke von 300 US-Dollar gerutscht. Die Aktie schloss bei 298,32 Dollar, ein Minus von 2,97 Prozent gegenüber dem Vorschluss. Allein im Juli soll der Kurs nach Berichten in sozialen Medien rund 30 Prozent verloren und mehr als 450 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt haben. Auslöser war der jüngste Quartalsbericht, der die Gewinnerwartungen der Wall Street verfehlte.
Gewinn bricht ein, Marge schmilzt
Im zweiten Quartal 2026 erlöste Tesla 28,24 Milliarden Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung von 26,42 Milliarden Dollar. Beim Gewinn hakte es dagegen: Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,33 Dollar, deutlich unter den erwarteten 0,5367 Dollar. Die operative Marge fiel auf 1,4 Prozent, der freie Cashflow rutschte auf minus 1,09 Milliarden Dollar. Damit weist Tesla den niedrigsten operativen Quartalsgewinn seit sechs Jahren aus, obwohl der Konzern mit 480.126 ausgelieferten Fahrzeugen ein Rekordvolumen meldete. Preissenkungen, verschärfter Wettbewerb und eine sich abschwächende Nachfrage drücken auf die Profitabilität – ein Muster, das sich bereits im vergangenen Geschäftsjahr abzeichnete, als der Jahresgewinn 2025 auf 3,8 Milliarden Dollar bei 94,8 Milliarden Dollar Umsatz sank und der chinesische Rivale BYD Tesla bei den weltweiten Auslieferungen überholte.
Wachstumshoffnung Robotaxi und Optimus
Tesla verlagert das Geschäftsmodell zunehmend Richtung Robotik und autonomes Fahren. Der Konzern will die Modelle S und X im laufenden Quartal einstellen, um im Werk Fremont Kapazitäten für die Produktion des humanoiden Roboters Optimus freizumachen – im vergangenen Jahr waren die Verkäufe dieser „sonstigen Modelle“ bereits um 40,2 Prozent eingebrochen. Rückenwind erhält das Vorhaben von der US-Regulierung: Die amerikanische Kommunikationsbehörde FCC untersagte am Dienstag neue Importe chinesischer humanoider Roboter unter Verweis auf Datenlecks und Lieferkettenrisiken – eine Entscheidung, von der laut Korea JoongAng Daily neben Boston Dynamics auch Tesla profitieren dürfte. Beim Robotaxi-Geschäft kommt Tesla ebenfalls voran: Am 21. Juli genehmigte die Zoning Commission von San Antonio einen Parkplatz samt Ladestation für Tesla-Robotaxis, nachdem der Dienst bereits in Houston, Dallas und Austin läuft. Der Verve zufolge bleibt der Ansatz jedoch begrenzt – aktuell fahren in Austin nur 10 bis 20 Model Y mit Fernüberwachung, während Konkurrent Waymo bereits 200.000 Fahrten pro Woche abwickelt und auf Lidar statt reiner Kameratechnik setzt.
Analysten uneins über fairen Wert
Die Einschätzungen zum fairen Wert gehen deutlich auseinander. Analyst Gary Black beziffert den fairen Wert auf 312 Dollar und nennt 250 Dollar als attraktive Kaufzone mit 20 Prozent Sicherheitsmarge – er verweist zugleich auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 192 auf Basis der kommenden zwölf Monate und sinkende Gewinnschätzungen für 2027. Deutlich optimistischer zeigt sich ein Analyst von Seeking Alpha, der die Aktie auf „Strong Buy“ hochstufte und ein 18-Monats-Kursziel von 425 Dollar nennt – gestützt auf eine Kassenposition von 43,5 Milliarden Dollar und die Einschätzung, der negative freie Cashflow sei vor allem Investition in KI, Robotaxis und Optimus. Der breitere Analystenkonsens bleibt bei „Hold“ mit einem Kursziel von 402,24 Dollar. Cathie Woods Ark Invest nutzte den Ausverkauf laut Berichten zum Zukauf, während Tesla-Chef Elon Musk zuletzt auch privat unter Druck geriet: Sein Nettovermögen fiel erstmals seit zwei Monaten unter 400 Milliarden Dollar, nachdem die Tesla-Aktie seit ihrem Dezember-Hoch bereits rund 27 Prozent verloren hatte.
Im deutschen Handel notiert Tesla aktuell bei 262,45 Euro und legt am Donnerstag um 0,75 Prozent zu. Der Relative-Stärke-Index von 26,1 signalisiert eine überverkaufte Aktie, nachdem das Papier seit Jahresbeginn bereits 33,18 Prozent verloren hat. Ob die Stabilisierung nahe dem 52-Wochen-Tief nachhaltig ist, dürfte sich erst zeigen, wenn sich die Marge im Kerngeschäft wieder stabilisiert.
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