Tescos erstes Quartal liefert ein bekanntes Bild: Das Umsatzwachstum verliert an Tempo, die Gewinnprognose zieht jedoch an. Ein Widerspruch, der Aufmerksamkeit verdient.
Umsatz unter Erwartungen
In den 13 Wochen bis Ende Mai wuchs der britische Einzelhandelsumsatz auf Vergleichsbasis um 1,8 Prozent — ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahresniveau. Lebensmittel legten immerhin um 2,6 Prozent zu, Frischwaren sogar um 3,6 Prozent. Irland entwickelte sich mit einem Plus von 3,3 Prozent ordentlich, Zentraleuropa blieb mit 0,8 Prozent verhalten. Besonders auffällig: der Online-Kanal mit einem Zuwachs von 17,4 Prozent.
Gegenläufig lief das Großhandelsgeschäft Booker. Dort sank der Umsatz auf Vergleichsbasis um 3,2 Prozent — nach einem Plus von 2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Tesco begründete den Rückgang mit dem Ausstieg aus einem margenarmen Vertrag. Das erklärt die Zahl, mildert sie aber nur bedingt.
Als Bremsfaktor nannte das Management explizit den anhaltenden Nahost-Konflikt, der die Konsumlaune britischer Haushalte trübt. Kein Wunder, dass Analysten die Zahlen mit gemischtem Urteil quittieren — die Konsensprognosen lagen höher.
Gewinnziel angehoben
Hier liegt die eigentliche Botschaft des Berichtstags. Tesco hebt die Prognose für den bereinigten operativen Gewinn im Geschäftsjahr 2026/27 auf eine Spanne von 3 bis 3,30 Milliarden Pfund an. Das bisherige Ziel lag bei 2,70 bis 3 Milliarden Pfund. Parallel steigt die Zielspanne für den freien Cashflow auf 1,50 bis 2 Milliarden Pfund.
Der Analystenkonsens hatte das operative Ergebnis auf etwa 3,25 Milliarden Pfund geschätzt — das liegt innerhalb der neuen Spanne, am oberen Ende. Tescos Anhebung ist damit weniger eine Überraschung als eine Bestätigung.
Das laufende Aktienrückkaufprogramm über 750 Millionen Pfund hat seit seinem Start Mitte April bereits Papiere im Wert von 341 Millionen Pfund zurückgekauft. Das Programm gibt dem Kurs eine strukturelle Unterstützung, unabhängig vom kurzfristigen Nachrichtenfluss.
Am 18. September werden Halbjahreszahlen erwartet. Dann dürfte sich zeigen, ob der Konsum in Großbritannien trotz geopolitischer Unsicherheit wieder Fahrt aufnimmt — oder ob Tesco die Prognose unter Druck erneut verteidigen muss.
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