Liebe Leserinnen und Leser,
wer in das Masterclass-Unternehmen Teradyne investiert hat, konnte feststellen, dass es am Aktienmarkt immer wieder richtig gute Gewinnchancen gibt. Nach einer fulminanten 2025er Rally konnte das Papier in diesem Jahr nahtlos an das Vorjahr anknüpfen und sich im Preis noch einmal verdoppeln. Und in den vergangenen Tagen kamen 2 Meldungen zum Unternehmen, die den Aktienkurs womöglich weiter antreiben.
Investoren unterstützen TestInsight-Übernahme
Zum einen hat Teradyne am vergangenen Donnerstag die Übernahme des israelischen Software-Unternehmens TestInsight bekanntgegeben, woraufhin die Aktie knapp 4% zulegte und auf Allzeithoch schloss. Normalerweise reagiert der Markt bei Übernahmen eher zurückhaltend. Kapital fließt ab, Integrationsrisiken entstehen, und nicht selten stellt sich hinterher heraus, dass der Kaufpreis zu hoch war. Statistisch ist sogar jede zweite Übernahme nicht wertsteigernd. Bei Teradyne sind die Investoren allerdings optimistisch, dass hier kein Geld verbrannt wurde, und die Investoren haben guten Grund zu dieser Annahme.
Denn der israelische Übernahme-Kandidat TestInsight ist seit über 30 Jahren in der Halbleiterbranche aktiv und hat sich als Spezialist für die Schnittstelle zwischen der EDA-Welt (also dem Chip-Design) und der eigentlichen Produktion etabliert. Anschaulicher kann man sagen, dass TestInsight Software zur Entwicklung, Validierung und Konvertierung von Testprogrammen liefert, die in der Branche bereits weit verbreitet sind. Wer in der Halbleiterindustrie arbeitet, kennt diese Tools – und TestInsight. Die Tools laufen seit Jahren in den Entwicklungsabteilungen der großen Chip-Hersteller.
Übernahme-Strategie „Design to Test“ schafft direkten Mehrwert
Terradyne plant, die TestInsight-Fähigkeiten mit den eigenen Testplattformen zu kombinieren, sodass ein durchgängiger Design-to-Test-Workflow entsteht. Das bringt große Vorteile für die Kundschaft mit. Testprogramme können dadurch bereits während der Chip-Design-Phase validiert werden, statt erst auf den teuren Testmaschinen. Fehlersuche wird aus der Hardware in die Software-Umgebung verlagert, wo sie schneller und günstiger ist. Komplexe Fehler in KI-Chips werden früher gefunden, die Testabdeckung verbessert sich, und die Zeit bis zur Marktreife verkürzt sich spürbar. Gerade für Hersteller von KI-Prozessoren, bei denen Produktlebenszyklen immer kürzer werden, ist das ein handfester Vorteil im Wettbewerb.
Der Übernahme-Deal bringt das, was ich Ihnen auch schon aus anderen Sektoren – zum Beispiel der Biotech-Branche – berichtet habe: Kostenvorteile durch KI-Modelle am Rechner. TestInsight-Gründer Meir Gellis lobt daher genau diese industrielle Logik hinter dem Deal. Es sei immer ihre Mission gewesen, die Lücke zwischen Design und Test zu schließen. Durch den Zusammenschluss mit Teradyne könne man nun die nächste Generation der Pre-Silicon-Validierung skalieren.
Teradyne hat nicht mitgeteilt, wie tief für den Übernahme-Kandidaten in die Tasche gegriffen wurde, doch das ist nebensächlich. Sicher war es ein kleinerer gezielter Zukauf mit Potenzial und kein Synergie-bringender Deal, bei dem es um zusätzlichen Umsatz und Einsparungen durch Größe geht. Vielmehr bedeutet die Übernahme neben dem leicht verständlichen technologischen Aspekt, dass die Kundenbeziehungen zu großen Chip-Herstellern tiefer und belastbarer werden; gegenüber Wettbewerbern ist das ein Vorteil, der sich mittelfristig in den Zahlen niederschlagen sollte.
Unternehmensbereich Robotik: Unbekannter Großkunde Amazon?
Wer Teradyne nur als Halbleitertester kennt, kennt das Unternehmen jedoch nur zur Hälfte. Der spannende Robotik-Bereich wächst ebenfalls – und hier passiert gerade einiges. Der Unternehmensbereich Teradyne Robotics, zu dem die Marken Universal Robots und MiR gehören, eröffnet noch in diesem Jahr eine neue US-Produktionsstätte in Wixom bei Detroit. Ein 67.000 Quadratmeter großes Werk, das cobots (kollaborative Roboter) fertigen soll. Was auf den ersten Blick wie eine logistische Unternehmensnachricht klingt, hat einen handfesten strategischen Hintergrund: Teradyne hat nach eigenen Angaben einen Großauftrag mit einem großen E-Commerce-Unternehmen abgeschlossen.
Branchen-Insider gehen davon aus, dass es sich dabei um Amazon handelt, genauer gesagt um Amazons neuen Vulcan-Roboter, der einen Universal-Robots-Cobot-Arm verwendet, um Waren in den Amazon-Lagern zu sortieren und zu greifen. Teradyne-Robotics-Chef Jean-Pierre Hathout hat es so formuliert: Man wolle nah an diesem Großkunden produzieren, und dafür müsse man zumindest auf demselben Kontinent sein. Detroit ist eine klare Ansage.
Dynamische Entwicklung rechtfertigt hohe Bewertung
Wenn Sie lange an der Börse sind, dann wissen Sie, dass Spitzen-Stories oft teuer sind. Wir haben Teradyne für die Hälfte bekommen und die Aktie ist nicht günstiger geworden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei über 80. Doch wer die operative Entwicklung kennt, weiß, dass sich dieses Bild schnell relativiert.
Im vierten Quartal 2025 hat Teradyne die Erwartungen deutlich übertroffen: Umsatz plus 44%, Gewinn je Aktie plus 89%. Für das erste Quartal 2026 stellte das Management einen Umsatz zwischen 1,15 und 1,25 Mrd. Dollar in Aussicht, rund 34% über dem, was Analysten zuvor erwartet hatten. Inzwischen kommt über 70% des Umsatzes aus KI-getriebener Nachfrage. Das
Schon kommende Woche folgen die Q1-Zahlen, dann wissen die Anleger mehr. Die Erwartungen sind hoch, aber Teradyne hat in den vergangenen Quartalen regelmäßig gezeigt, dass es auch höher gesteckte Erwartungen erfüllen oder übertreffen kann. KI-Testsysteme auf der einen Seite, Robotik mit einem potenziellen Amazon-Großauftrag auf der anderen – das Masterclass-Unternehmen hat zwei ganz heiße Eisen gleichzeitig im Feuer. Gut vorstellbar, dass die Rally 2025 weiter geht.
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