In Peking sprintete am Wochenende bei den zweiten World Humanoid Robot Games ein Roboter in 9,39 Sekunden über 100 Meter und unterbot damit den Weltrekord von 9,58 Sekunden des jamaikanischen Sprint-Stars Usain Bolt. Gut vorstellbar, dass Ihnen in ein paar Jahren Roboter-Sprinter das Essen nach Hause bringen.
Es ist atemberaubend zu sehen, wie schnell sich humanoide Robotik entwickelt: Wurde noch vor drei Jahren über Fehlfunktionen oder fehlende Koordination gelacht, ist die Robotik – auch dank KI – inzwischen sehr weit gekommen. Das Interesse an diesem Zukunftsmarkt ist sprunghaft gestiegen: Bei den Robot Games traten diesmal mehr als 660 Teams mit über 2.000 Robotern aus 16 Ländern an, in Disziplinen von Sprint über Fußball bis Kung Fu – fast doppelt so viele wie bei der Premiere im Vorjahr.
Unitree-Börsengang zeigt: Investoren-Interesse an Robotik ist riesig
Nur wenige Tage vor dem Event lieferte der chinesische Roboterbauer Unitree den Beweis, dass Robotik auch für Investoren hochinteressant ist. Beim Debüt an Shanghais Tech-Börse STAR schoss die Aktie zeitweise um +629% über den Ausgabepreis, das Unternehmen sammelte umgerechnet rund 900 Mio. Dollar ein und wurde zum Handelsstart mit rund 48 Mrd. Dollar bewertet.
Isoliert betrachtet wirkt das klein, doch Unitree erzielte 2025 gerade einmal 257 Mio. Dollar Umsatz und 90 Mio. Dollar bereinigten Gewinn. Gehandelt wird also die Zukunft – und die gehört neben KI auch der Robotik.
Die Wall Street traut dem Megatrend dahinter einiges zu: JPMorgan rechnet mit einem Sprung der weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter von 18.000 Einheiten 2025 auf 60.000 in diesem Jahr und 1,75 Mio. Einheiten bis 2030 – mehr als die Hälfte davon in China. Morgan Stanley sieht den globalen Markt für humanoide Roboter inklusive angrenzender Dienstleistungen bis 2050 bei einem Volumen von bis zu 5 Bio. Dollar.
Teradyne: Doppelpositionierung für den Megatrend
Teradyne ist vielen deutschen Privatanlegern noch kein Begriff. Der US-Konzern zählt jedoch zu den weltweit größten Anbietern von Testsystemen für Halbleiter – und hat sich mit seiner Robotics-Sparte zusätzlich mitten in den nächsten großen Trend katapultiert. Für Anleger, die Zugang zum Robotik-Megatrend suchen, bietet die Teradyne-Aktie diesen gleich auf zwei Wegen – und das ganz ohne das Bewertungsrisiko einer frisch gelisteten chinesischen Robotik-Aktie.
Denn erstens deckt Teradyne über die eigene Robotics-Sparte mit den kollaborativen Armen von Universal Robots und den autonomen Transportrobotern von MiR den Markt direkt ab. Aktuelle Zahlen zeigen das fünfte Quartal in Folge mit sequenziellem Wachstum, allein im zweiten Quartal 100 Mio. Dollar Umsatz. Die Basis ist noch klein, doch es ist mit erheblichen Zuwachsraten zu rechnen, sobald das „Schwungrad Robotik“ richtig ins Drehen kommt.
Zweitens – und das ist der schon heute gültige Wachstumstreiber – profitiert Teradyne von seiner Expertise im Bereich Chip-Tests. Bevor ein Chip, ein Sensor oder ein Aktuator seinen Weg in einen humanoiden Roboter findet, muss er eine Testanlage durchlaufen. Genau solche Anlagen zu bauen, ist Teradynes Brot-und-Butter-Geschäft.
Zyklisches Geschäft mit deutlich höherem Sockel
Die Geschäfte laufen heute dank immer komplexerer KI-Chips auf Hochtouren, und bis die Robotik das ablöst, dürfte es weiter rundlaufen. Das Geschäft ist zwar extrem zyklisch, doch eine Dürre wie im Jahr 2024, als die Aktien der Branche mehr als die Hälfte an Wert einbüßten, dürfte sich nicht so schnell wiederholen. Zyklisch bleibt der Markt zwar weiterhin – der Sockel für Umsatz und Ergebnis liegt inzwischen aber spürbar höher.
Das verbesserte Chance-Risiko-Profil der Branchenspieler wurde bei Teradyne besonders stark honoriert: Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs nahezu verdoppelt, aktuell steht ein Plus von +88% zu Buche. Zuletzt gab die Aktie im Zuge eines branchenweiten Ausverkaufs bei Halbleiterausrüstern zwar nach – aus meiner Sicht ist das jedoch eine zu vernachlässigende Branchenkorrektur auf dem Weg zu neuen Hochs, die eher eine Chance für Nachzügler ist als ein Risiko anzeigt.
Rekordzahlen dank KI-Nachfrage
Denn operativ läuft es in der Branche rund – und ganz besonders bei Teradyne. Im zweiten Quartal verdoppelte sich der Umsatz auf 1,33 Mrd. Dollar, das Ergebnis je Aktie kletterte um +300% auf 2,47 Dollar – beides über der eigenen Prognose und das zweite Rekordquartal in Folge. Der Halbleitertest-Bereich knackte erstmals die Milliarden-Marke, getragen von KI-Compute-Umsätzen, die um rund +600% gegenüber dem Vorjahr zulegten, sowie von Rekord-Speicherchip-Tests. Über 60% des Konzernumsatzes stammen inzwischen direkt aus der KI-Nachfrage.
Für das erste Halbjahr stehen 2,6 Mrd. Dollar Umsatz und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 5,02 Dollar zu Buche – ein Plus von +275%. Auch der Blick nach vorn ist stark: Für das dritte Quartal rechnet das Management mit 1,2 bis 1,3 Mrd. Dollar Umsatz und einem bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 1,85 und 2,15 Dollar. Die Jahresprognose wurde zuletzt um mehr als 10% angehoben – im Schnitt rechnet Teradyne nun mit rund +60% Umsatzwachstum für das Gesamtjahr.
Teradyne verbindet den laufenden KI-Boom mit dem kommenden Robotik-Boom in einer einzigen Aktie – ein spannender Doppelzugang, den nur wenige Werte bieten. Nach dem jüngsten Rücksetzer im Zuge der Branchenkorrektur bei Halbleiterausrüstern könnte das aktuelle Kursniveau ein attraktiver Einstiegspunkt sein.
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