Noch vor wenigen Wochen zog eine Gewinnwarnung des Konkurrenten HCA Healthcare die gesamte Klinikbranche nach unten – auch Tenet Healthcare geriet dabei unter Druck. Mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 hat sich der Dallas-Konzern nun spürbar von dieser Sorge gelöst. Die Aktie schoss nachbörslich um 17,6 Prozent auf 234,03 US-Dollar nach oben und nähert sich damit dem 52-Wochen-Hoch von 247,21 US-Dollar.
Ergebnis übertrifft Erwartungen deutlich
Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 6,12 US-Dollar – ein Plus von 52,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und rund 44,7 Prozent über der Analystenschätzung von etwa 4,23 US-Dollar. Der Nettogewinn stieg von 288 Millionen auf 826 Millionen US-Dollar. Die Erträge legten um 6,8 Prozent auf 5,628 Milliarden US-Dollar zu und lagen damit über den Prognosen der Analysten.
Das bereinigte EBITDA wuchs um 16,3 Prozent auf 1,304 Milliarden US-Dollar, die Marge kletterte von 21,3 auf 23,2 Prozent. Beide Segmente trugen bei: Die Ambulanzsparte USPI steigerte ihr EBITDA um 8,8 Prozent bei einer Marge von 39,0 Prozent, während das Krankenhausgeschäft mit einem Plus von 22,3 Prozent beim EBITDA und einem Admissions-Wachstum von 2,6 Prozent noch kräftiger zulegte. Belastend wirkte lediglich der Wegfall erhöhter Steuergutschriften im Versicherungsmarkt, der die Erlöse aus Krankenversicherungs-Börsen um 17 Prozent drückte – laut Management aber im Rahmen der eigenen Erwartungen.
Prognose und Rückkaufprogramm wachsen kräftig
Tenet hob den Ausblick für das bereinigte EBITDA 2026 auf eine Spanne von 4,83 bis 5,03 Milliarden US-Dollar an, ein Plus von 295 Millionen US-Dollar zum Mittelwert der bisherigen Prognose. Der bereinigte freie Cashflow soll um 225 Millionen US-Dollar steigen, das Ergebnis je Aktie wird nun bei 20,30 bis 21,69 US-Dollar erwartet.
Parallel dazu stockte der Vorstand das Aktienrückkaufprogramm um 2,0 Milliarden US-Dollar auf. Allein im zweiten Quartal kaufte Tenet Aktien im Wert von 1,042 Milliarden US-Dollar zurück, seit Jahresbeginn summieren sich die Rückkäufe auf 1,36 Milliarden US-Dollar. Der Verschuldungsgrad sank auf das 2,33-Fache des EBITDA – 2017 lag dieser Wert noch beim 5,86-Fachen.
Vor der Vorlage hatte Bank of America ihr Kursziel im Juni von 230 auf 210 US-Dollar gesenkt und dies mit einer branchenweiten Bewertungsanpassung wegen schwacher Klinikauslastung begründet, die Kaufempfehlung aber beibehalten. Leerink Partners hob dagegen kurz vor den Zahlen die Gewinnschätzung für das dritte Quartal an. Eine vorangegangene Hochstufung des Kreditratings durch Moody’s, die auf den Schuldenabbau des Konzerns verwies, hatte bereits vor der Veröffentlichung auf die verbesserte finanzielle Verfassung hingedeutet.
Mit dem deutlichen Ausreißer nach oben stellt Tenet die eigene Wachstumsstory über die Sektor-Skepsis, die HCA Healthcare zuletzt ausgelöst hatte. Ob sich die Dynamik aus Ambulanzgeschäft und Krankenhaussparte im zweiten Halbjahr fortsetzt, dürfte sich an der Entwicklung der angekündigten Medicaid-Zusatzprogramme und der weiter erwarteten Belastung durch auslaufende Versicherungsgutschriften zeigen.
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